SPÖ-Rochade in Wien: Wer gewinnt den Beliebtheitswettbewerb?
Am Mittwoch wird die SPÖ-Rochade in der Stadtregierung auch vom Gemeinderat abgesegnet: Die Wahl von Elke Hanel-Torsch zur neuen Wohnbaustadträtin und der Aufstieg von Finanzstadträtin Barbara Novak zur Vizebürgermeisterin sind dabei freilich nicht recht viel mehr als ein Formalakt. Für ihre Bestellung reicht die rot-pinke Regierungsmehrheit.
Und dennoch ist die Wahl der Stadträte stets auch ein Stimmungsbarometer für die Stadtpolitik und das Verhältnis zwischen Koalition und Opposition – und auch eine Art inoffizieller Beliebtheitswettbewerb. Die gar nicht so kühne Prognose: Wirkliche Sieger wird es am Mittwoch nicht geben.
Mit Kathrin Gaál scheidet jene Stadträtin aus der Stadtregierung aus, die in der Vergangenheit stets Spitzenwerte verbuchen konnte. Nach der Wien-Wahl 2025 erhielt sie im Gemeinderat ganze 90 (von gesamt 100) Stimmen. Sie hatte also das Wohlwollen der meisten Mandatare der Opposition – und weit mehr Ja-Stimmen als alle anderen. Auf Platz zwei lag Bürgermeister Michael Ludwig mit 69 Ja-Stimmen.
Wie die Opposition stimmen wird
Dass Hanel-Torsch an das Wahlergebnis von Gaál herankommt, ist ausgeschlossen. Wie der KURIER erfahren hat, dürften die Grünen gegen Hanel-Torsch stimmen. Schon, als sie nominiert wurde, sah man in ihr einen „Rechtsruck“ in der Koalition. Auch die ÖVP wird geschlossen gegen Hanel-Torsch stimmen. Aufgrund „der bisherigen Performance der Stadtregierung“ gebe es keine „Vorschusslorbeeren“, heißt es aus der Partei. Und dass ausgerechnet die Wiener FPÖ, die an Rot-Pink und der Rochade kein gutes Haar ließ, für die neue Wohnbaustadträtin votiert, darf wohl ebenso ausgeschlossen werden.
Ob es Finanzstadträtin Novak besser ergeht, wird sich zeigen. Sie übernimmt die Funktion der Vizebürgermeisterin von Gaál. Auch hier stehen die Chancen schlecht. Novak hat den schwierigsten Job in der Koalition. Mit ihrem Sparkurs hat in den Reihen der Opposition eher keine neuen Freunde gefunden.
Die Latte liegt aber nicht ganz so hoch: Gaál erhielt bei der Wahl zur Vizebürgermeisterin (die formal getrennt von jener zur Stadträtin stattfindet) zuletzt 70 Stimmen (also 20 weniger als als Stadträtin). Vizebürgermeisterin Bettina Emmerling (Neos) erhielt gar nur jene 53 Stimmen, über die Rot und Pink verfügen.
Gaál wird am Mittwoch ihre Abschiedsrede im Gemeinderat halten. Ihr Rückzug aus persönlichen Gründen wurde vor einigen Wochen noch parteiübergreifend bedauert. Ob ihr weiter so wohlwollende Stimmung entgegenschlägt, wird sich zeigen: Vergangene Woche wurde bekannt, dass sie in den Vorstand der Sozialbau AG – der größte gemeinnützige Wohnbau-Verbund in Österreich – wechselt. Kritiker bemängeln die kurze Cooling-Off-Phase und die parteipolitische Verflechtung von SPÖ und Sozialbau.
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