Chronik | Wien
10.01.2018

SPÖ-Duell hinter verschlossenen Türen

Finale Debatte um Häupl-Nachfolge am Parteitag ist nicht öffentlich

Die Weichen für den großen Showdown in der Wiener SPÖ sind gestellt. Am Dienstag beschloss das Präsidium der Landespartei, wie der Parteitag am 27. Jänner in der Messe Wien ablaufen wird, bei dem der Nachfolger von Michael Häupl als Parteichef von den knapp 1000 Delegierten gekürt wird. Erstmals in der jüngeren Parteigeschichte rittern ja mit Wohnbaustadtrat Michael Ludwig und Klubobmann Andreas Schieder gleich zwei Kandidaten um den Chefsessel und damit in weiterer Folge um das Bürgermeisteramt.

Das führt zu einem weiteren Novum: Der erste Teil des mit Spannung erwarteten Events, das um 9 Uhr beginnt, findet hinter verschlossenen Türen statt. Somit dürfen auch keine Medien anwesend sein, wenn sich die beiden Kandidaten ein letztes Mal vor den Genossen präsentieren. Ebenso wenig bei der Debatte, bei der sich die Delegierten zu Wort melden können, um noch einmal kundzutun, welche Erwartungen sie vom zukünftigen Parteichef haben. Ein wenig werden Erinnerungen an die letzte Landesversammlung des grünen Koalitionspartners im vergangenen November wach, als die Parteimitglieder ebenfalls nichtöffentlich über einen Antrag zur Absetzung von Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou debattierten.

Einzig die Begrüßungsrede von SPÖ-Chef Christian Kern werde möglicherweise mittels Live-Stream nach draußen übertragen, sagte am Dienstag eine Sprecherin der Wiener Landespartei.

Erst die Verkündigung des Wahlergebnisses (vermutlich am frühen Nachmittag) ist dann wieder medienöffentlich. Wie die Rede des neuen Parteichefs und die Abschiedsansprache seines Vorgängers Michael Häupl, der die Landespartei seit 1993 führt.

Bis zum Sommer wird Häupl auch das Bürgermeisteramt an den neuen Parteichef übergeben. In Hinblick auf die nahende Wien-Wahl 2020 wird dann auch recht rasch ein umfassender Umbau der Parteispitze und des roten Regierungsteams erfolgen, um auch personell einen Neustart zu signalisieren. Insbesondere Finanzstadträtin Renate Brauner und Gesundheitsstadträtin Sandra Frauenberger gelten laut Parteikreisen als mögliche Ablösekandidatinnen – unabhängig davon, wie der neue Parteichef heißt. Relativ sicher im Sattel sitzen dürfte hingegen die jetzige Umweltstadträtin Ulli Sima, die sich bis dato im parteiinternen Richtungsstreit (zumindest nach außen hin) betont neutral gab.

Um die Spitzenposten in den Parteigremien rasch neu zu besetzen, müsste der Wahlparteitag, der turnusmäßig erst 2019 wieder stattfinden würde, vorgezogen werden. Gut möglich also, dass die SPÖ-Delegierten schon bald wieder in der Messehalle im Prater zusammentreffen.