Ärzte warnen vor Versorgungsengpässen

© APA/HELMUT FOHRINGER

Wien
03/31/2016

Spitalsärzte sollen keine Überstunden mehr machen

Wegen hoher Kosten soll wenn möglich nur 40 Stunden pro Woche gearbeitet werden.

von Josef Gebhard

Aufruhr herrscht einmal mehr in den Wiener Gemeindespitälern: Mittwoch wurden die Primarärzte im Krankenhaus Hietzing von der Direktion darüber informiert, dass die Mediziner des Hauses künftig keine Überstunden mehr machen sollen. "Ab Juni sollen die Dienstpläne so gestaltet werden, dass jeder Arzt nur noch 40 Stunden pro Woche arbeitet", schildert ein Mediziner dem KURIER.

Laut der erst im Vorjahr in Kraft getreten Arbeitszeit-Regelung dürften Ärzte im Schnitt ohnehin nur mehr 48 Stunden pro Woche arbeiten. Das sind acht Stunden mehr als die Normalarbeitszeit. "Schon das ist sehr mühsam, eine Reduktion auf 40 Stunden ist aber unmöglich – außer man sperrt OP-Säle", sagt der Arzt.

Hintergrund sind die hohen Kosten, die dem Krankenanstaltenverbund (KAV) derzeit durch die Mehrarbeit anfallen. "Speziell im Bereich des Überstundenbudgets kommt es [...] zu unverhältnismäßig hohen Steigerungen im ärztlichen Bereich", heißt es in einem Info-Schreiben von Hietzings Verwaltungsdirektor Wilhelm Strmsek, das dem KURIER vorliegt. Dienstplanerstellungen seien grundsätzlich ohne Miteinbeziehung von Mehrdienstleistungen durchzuführen. Ist dies nicht möglich, brauche es die Genehmigung der Ärztlichen Direktion. Und weiter: "Sollte die Situation der Überstundengebarung nicht optimiert werden, ist leider in Bälde mit einer Nichtausbezahlung zu rechnen."

Verantwortlich für die aktuelle Misere ist die im Vorjahr erfolgte Verkürzung der Arbeitszeit, die mit einer Anpassung des Gehaltsschemas einherging. Zuvor wurden Überstunden, die in verlängerten Diensten angefallen sind, pauschaliert mit der großen Nachtdienstzulage abgegolten, jetzt werden sie einzeln verrechnet. "Die Überstunden sind seitdem nicht mehr, aber teurer geworden", schildert Wiens Ärztekammer-Präsident Thomas Szekeres. "Man hat sich diesbezüglich beim KAV schlichtweg verkalkuliert", ergänzt sein Hietzinger Kollege.

"Einerseits wird das Krankenhaus Nord großzügig finanziert, andererseits ist man bei notwendigen Überstunden derart restriktiv", empört sich Szekeres. Von einem "Anschlag auf das Gesundheitssystem", spricht FPÖ-Stadtrat David Lasar.

Alle Spitäler betroffen

"Überstunden, die anfallen, werden selbstverständlich abgegolten", betont eine Sprecherin des KAV. "Die Intention des Generaldirektors war es, zeitgerecht auf das Thema hinzuweisen. Das gilt natürlich für alle KAV-Häuser. Es geht dabei sowohl um den Arbeitnehmerschutz als auch um Sensibilität, was das Budget angeht."

Ziel sei es natürlich, die Normalarbeitszeit von 40 Stunden möglichst einzuhalten. Dass das nicht immer gehe – etwa in den Wintermonaten, sei aber logisch. Die Betreuung der Patienten sei jedenfalls immer gewährleistet, betont die KAV-Sprecherin.

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