Chronik | Wien
02.08.2018

Spital sperrt Abteilung für Neugeborene

Wegen des akuten Ärztemangels wird die Neonatologie des KFJ für zwei Wochen geschlossen.

Mehr Kapazitäten für die Versorgung von Neugeborenen und Frühchen verspricht eine neue Abteilung im St.-Josef-Krankenhaus, die heute, Freitag, von Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) vorgestellt wird.

Ein Schritt, der dringend notwendig ist, gibt es doch derzeit bei der Behandlung von Frühgeborenen in Wien massive Engpässe. Laut KURIER-Informationen wird die Neonatologie-Abteilung im Kaiser-Franz-Josef-Spital (KFJ) demnächst zumindest für zwei Wochen gesperrt. Die frühgeborenen Patienten müssen dann auf die anderen Spitäler verteilt werden.

Grund für die Sperre ist der akute Ärztemangel. Bereits im Frühjahr musste die Abteilung deshalb tage- und wochenweise gesperrt werden, wie die damalige Stadträtin Sandra Frauenberger den Neos in einer Anfragebeantwortung bestätigte.

Entgegen den Beteuerungen der Stadträtin hat sich die Lage seitdem nicht entspannt, sondern offensichtlich noch verschärft. Dabei wurde das neu gebaute Mutter-Kind- und OP-Zentrum im KFJ (Kosten: 160 Millionen Euro) erst 2016 eröffnet.

„Es gibt derzeit einfach zu wenige Neonatologie-Fachärzte am Markt“, sagt Heinrich Schneider, Personalvertreter im Wilhelminenspital, das bisher mit seinen Kapazitäten aushelfen musste. Mittlerweile sei man laut Schneider aber auch dort am Limit angelangt.

Ein Sprecher des Krankenanstaltenverbunds ( KAV) bestätigt die „vorübergehenden Sperre zwischen 14. und 27. August“. Im KFJ gebe es derzeit nicht genug Neonatologen, um die steigende Zahl an Risiko- und Frühgeburten versorgen zu können. „Die Sperre wird aber durch die Versorgung in den anderen Häusern abgefangen“, versichert der Sprecher. Die Sperre würde 16 der insgesamt 184 Neonatologie-Betten im KAV betreffen.

Geburten-Misere

Noch nicht gelöst ist auch das Problem der fehlenden Geburtenplätze in den Wiener Spitälern. Wie berichtet, kam es im Vorjahr nach der Schließung der Geburtshilfe-Abteilung im Hanusch-Spital, wo jährlich rund 1000 Geburten erfolgten, zu erheblichen Versorgungsmängeln. Viele Schwangere hatten Probleme, einen Spitalsplatz für die Geburt zu finden. Ein Umstand, den auch die Patientenanwaltschaft in ihrem aktuellen Jahresbericht kritisch anmerkt.

„Die Situation hat sich etwas gebessert. Die Aufnahmen werden mittlerweile besser auf die einzelnen Spitäler verteilt“, schildert Schneider. „Optimal ist die Lage aber immer noch nicht, weil es noch keine zentrale Geburtenanmeldestelle gibt.“

Als Reaktion auf die Engpässe im Vorjahr hatte Frauenberger bei der SPÖ-Klubklausur im März 2017 die Schaffung einer solchen Stelle angekündigt. Sie gibt es allerdings immer noch nicht. Noch im Mai des Vorjahres hieß es, sie werde „spätestens im Frühjahr 2018“ kommen. „Im Laufe des Jahres 2018“, hieß es schließlich nach einer ÖVP-Anfrage im heurigen Februar.

„Die Stadt Wien geht unverantwortlich mit den werdenden Müttern um“, kritisiert ÖVP-Gemeinderätin Caroline Hungerländer. „Die Herbergssuche muss endlich ein Ende haben. Stadtrat Hacker ist dringend aufgefordert, die zentrale Geburtsanmeldestelle endlich umzusetzen“, fordert sie.

„Sie soll bis zum Jahresende starten“, heißt es nun aus dem KAV. Über die Plattform können Frauen bis zur 22. Schwangerschaftswoche online oder telefonisch ihre Wunsch-Spitäler angeben. Als Grund für die Verzögerung nennt der Sprecher Details, die zwischen dem KAV und den anderen beteiligten Spitalsträgern noch zu besprechen seien.