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Die Frau, die den Lipizzanern den Sattel macht

Die 25-jährige Sophia Eßl ist die einzige Sattlerin der Spanischen Hofreitschule. Sie stellt Sättel und Zaumzeuge her.
Spanische Hofreitschule

Dumpfes Klopfen  der Hufe auf dem Sand. Ein Gruß an Kaiser Karl VI. Dann der Höhepunkt der Vorstellung: die weltberühmte Schulquadrille. Alle Blicke richten sich auf die weißen Lipizzaner und ihre  Bereiter. Nur Sophia Eßl schaut woanders hin. Ihr Blick gilt den Sätteln und Zaumzeugen. Denn Eßl hat sie angefertigt.

Raum 103

Auf der anderen Straßenseite, gegenüber  der Winterreitschule liegt ihre Werkstatt: Raum 103 in der Stallburg. Statt Applaus und klassischer Musik empfängt einen hier der Geruch von Leder. Auf der Werkbank liegen Schnallen, Nägel und Werkzeuge, an den Wänden hängen Zügel und Sättel. Hier verbringt die 25-Jährige den Großteil ihres Arbeitstages.

„Kein Tag ist wie der andere“, sagt Eßl. „Meine Werkstatt ist eigentlich immer offen. Ständig kommt jemand herein oder ruft an und fragt, ob ich mir das eine oder andere Teil anschauen kann.“

Spanische Hofreitschule

Perfekte Passform

Ihr erster Weg führt zwei Stöcke hinunter in die Stallungen. „Egal, was ich mache – zuerst schaue ich mir das Pferd an“, so Eßl.  Gemeinsam mit den Bereitern bespricht sie, worauf es ankommt und nimmt Maß von Pferd sowie Reiter.  Denn jeder Sattel muss sowohl zum Pferd als auch zu seinem Bereiter passen. „Da gibt es keine Kompromisse“, so Eßl. „Ein Sattel muss beiden perfekt passen.“  Sitzt der Reiter nicht optimal, verändern sich  die Signale an das Pferd und somit auch dessen Bewegungsabläufe.

Traditionelle Arbeit

Erst danach beginnt die eigentliche Handarbeit. Das Leder wird zugeschnitten, Kanten werden geglättet und poliert. Beschläge werden eingearbeitet und schließlich wird jedes Teil vernäht. „Grundsätzlich ist bei uns fast alles Handarbeit“, so Eßl. Nur lange, gerade Nähte übernehme eine Maschine. Das habe sich seit Jahrhunderten kaum verändert. „Die Werkzeuge und Materialien entwickeln sich natürlich weiter, doch der Kern, also die Art zu arbeiten, ist geblieben.“

Spanische Hofreitschule

59 Stunden 

Eßl verarbeitet ausschließlich Leder. Die Metallbeschläge und Sattelbäume – das Grundgerüst eines Sattels – werden von spezialisierten Betrieben zugeliefert. Wie viel Arbeit darin steckt, zeigen die Arbeitszeiten der 25-Jährigen: „Für einen einfachen  Trainingszaum brauche ich etwa sieben Stunden. Für die goldverzierten Vorführkandaren um die 18.“ Für das gesamte Vorführgold, inklusive Vorderzeug und Schweifriemen, brauche Eßl etwa 59 Stunden. 

Lipizzaner-Karriere-Leben

Weggeworfen wird in der Werkstatt nur selten etwas. Viele Sättel sind seit mehreren Jahrzehnten im Einsatz. „Solange sich eine Reparatur lohnt, werden sie weiterverwendet“, betont Eßl. Ziel sei es, dass ein Sattel einen Lipizzaner durch seine gesamte aktive Laufbahn in der Hofreitschule begleitet – von der Ausbildung bis zum Ruhestand.

Was man hat, hat man 

Dass Sophia Eßl einmal Sattlerin werden würde, hätte sie selbst lange nicht gedacht. Nach der Schule wusste sie zunächst nicht, welchen Berufsweg sie einschlagen sollte. Weil sie seit ihrer Kindheit reitet, stieß sie bei der Suche schließlich auf das Sattlerhandwerk

„Ich dachte mir: Was man einmal gelernt hat, hat man“, erzählt sie. Sie schloss die Lehre zur Reitsportsattlerin ab, sammelte Berufserfahrung und ist seit Dezember 2024 Sattlerin der Spanischen Hofreitschule.

Spanische Hofreitschule

Nur 110 Sattler

Österreichweit gibt es laut Eßl nur rund 110  Sattler. Reitsportsattler werden in Österreich nur noch in drei Betrieben ausgebildet. Der Beruf ist zwar seltener geworden, doch dass das Handwerk ausstirbt, glaubt sie dennoch nicht. „Solange es Pferde gibt, gibt es auch Menschen, die sie bereiten. Daher wird es auch Menschen brauchen, die ihre Ausrüstung herstellen und reparieren.“

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Sommerfrische ist Hauptsaison

Dass es an Arbeit nicht mangelt, zeigt sich gerade in den Sommermonaten. Während die Pferde ihre Sommerfrische im Lipizzanergestüt Piber verbringen, beginnt für Eßl einer der arbeitsintensivsten Abschnitte des Jahres. Die Sattlerin nutzt die ruhigere Zeit, um Vorführsättel, Schulsättel sowie Zaumzeuge zu warten und für die kommende Saison vorzubereiten. Leder wird gepflegt, Nähte werden kontrolliert und Beschläge überprüft. „Es gibt eigentlich immer etwas zu tun“, sagt sie. Damit im Herbst bei der ersten Schulquadrille jedes Detail wieder perfekt sitzt. 

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