Chronik | Wien
22.08.2018

Sozialwohnungen: Die merkwürdige Reise eines Bauträgers

Der jetzige Eigentümer der Wohnbauvereinigung WBV-GFW verkaufte sie im Jahr 2017 an sich selbst.

Rund um die Veräußerung der gemeinnützigen Wohnbauvereinigung WBV-GFW (vormals WBV-GÖD) treten immer kuriosere Details zu Tage, in deren Zentrum der jetzige Eigentümer Christian Hosp steht. Dieser ist wie berichtet enger Geschäftspartner des Immo-Investors Michael Tojner.

Ins Auge sticht vor allem, dass die Transaktion in zwei Schritten erfolgte. 2015 übernahm zunächst die in der Schweiz beheimatete Keystone Holding SA die Anteile an der Muttergesellschaft der WBV von den bisherigen Eigentümern (die Unternehmen Linea und Fundus). Einzelzeichnungsberechtigtes Mitglied des Verwaltungsrats der Keystone ist Christian Hosp. Diese Abtretung wurde allerdings bis 2017 nicht ins Firmenbuch eingetragen.

Ein rechtlich heikler Vorgang. Denn die Keystone ist zu 100 Prozent an der WertInvest Immobilien Alpha GmbH beteiligt, deren Geschäftsführer wiederum Michael Tojner ist. Dies ortete der Revisionsverband als möglichen Verstoß gegen §9 des Wohnungsgemeinnützigkeitsgesetzes, wonach Angehörige des Baugewerbes keine gemeinnützigen Bauträger erwerben dürfen.

Zwei Jahre später erfolgte der nächste Transfer: Laut Abtretungsvertrag aus dem Mai 2017, der dem KURIER vorliegt, überträgt die Keystone ihre Anteile an die Christian Hosp Beteiligungs GmbH, deren Geschäftsführer Hosp. Die Firma wurde erst im Herbst 2016 gegründet.

Vereinfacht gesagt: Hosp verkauft die WBV an sich selbst weiter. Dies sei sicher nicht verkehrsüblich, geben Branchenkenner zu bedenken. Ebenso wenig ein anderer Punkt aus dem Vertrag: „Der Abtretungspreis wird gestundet, die Vertragsparteien haben über die Zahlung des Kaufpreises eine gesonderte Vereinbarung getroffen.“ Was darin steht, ist unbekannt.

Über einen Sprecher sagt Hosp zu diesem merkwürdigen Transfer: „Der Erwerb wurde über Wunsch der Verkäufer (die ja weiterhin als Geschäftsführer respektive Aufsichtsrat für die WBV tätig waren) vorerst nicht im Firmenbuch eingetragen. Die Übertragung von Keystone an die Christian Hosp Beteiligungs GmbH erfolgte, weil Herr Hosp als Träger für die WBV eine eigenständige, in Österreich ansässige Gesellschaft als angemessen erachtete. Die Stundung des Kaufpreises, die die Keystone der Christian Hosp BeteiligungsGmbH gewährte, war eine rein interne Finanz- und Liquiditätsentscheidung von Herrn Hosp.“

Eigentümer der Keystone war und sei Hosp, betont der Sprecher.

Fälle im Burgenland

Indes weitet sich die Causa ins Burgenland aus. Die Grünen wollen die Vorgänge um die beiden Genossenschaften „Gesfö“ und „Riedenhof“ aufklären. Ihnen soll vom Land 2015 die Gemeinnützigkeit aberkannt worden sein. Dafür flossen laut Grünen vier Millionen Euro an das Land, wie in einem Bescheid festgelegt wurde.

Kurioses Detail: Beide Firmen hatten zunächst ihren Sitz in Wien. Weil ihnen dort die Aberkennung der Gemeinnützigkeit verweigert wurde, wurde die er ins Burgenland verlegt, mutmaßen die Grünen.

Ähnliche Vorgänge habe es 2012 rund um die „Pannonia“ gegeben. Dadurch sei es möglich gewesen, die mit öffentlichen Geldern geförderten Wohnungen weiter zu verkaufen. Die Deals seien laut Grünen zwar „rechtlich in Ordnung“, aber „moralisch verwerflich“.

Rolle Tojners

In allen drei Fällen laufen die Fäden ebenfalls bei Tojners Firmenimperium zusammen: Die Gesfö gehört zur TrauBe Beteiligungs GmbH. Sie ist wiederum Mutter der WertInvest Beteiligungsverwaltungs GmbH (Geschäftsführer Tojner). Teile der Riedenhof sind 2017 mit der WertInvest Immobilientreuhand GmbH (Geschäftsführer Tojner) verschmolzen.

Die Pannonia hieß früher „Buntes Wohnen“. Eine gewerbliche Tochter davon erwarb seinerzeit das Heumarkt-Areal, das schließlich an Tojner ging. Dort entwickelt er gerade sein umstrittenes Hochhaus-Projekt.

Um solche Praktiken künftig zu unterbinden, kommt nun ein Vorstoß der FPÖ: Bautensprecher Philipp Schrangl will dem Bund die Aufsicht über die Geschäfte mit Anteilen von gemeinnützigen Wohnungen übertragen. Genehmigen und abwickeln sollen die Länder die Geschäfte aber weiterhin.