Chronik | Wien
27.03.2017

Sozialpartner brauchen Lobau-Tunnel „wie einen Bissen Brot“

Während Umweltschützer dagegen protestieren, fordern Arbeiter- und Wirtschaftskammer die rasche Umsetzung des Projekts.

Während im sechsten Stock der Arbeiterkammer (AK) in der Prinz-Eugen-Straße Präsident Rudi Kaske und Wirtschaftskammer(WK)-Boss Walter Ruck den Bau des Lobau-Tunnels forderten, wurde am Gehsteig davor gegen eben diesen demonstriert. Die Optik war allerdings keine glückliche für die Projektgegner. Von der Handvoll Demonstranten nahm kaum jemand Notiz.

Für Kaske und Ruck muss der Lobau-Tunnel so rasch wie möglich kommen. Das wachsende Wien brauche die neue Verkehrsachse „wie einen Bissen Brot“.
Laut Kaske pendeln täglich 140.000 Menschen berufsbedingt über die Donau. Um die Verkehrsströme bei stetig zunehmender Einwohnerzahl im Griff zu behalten, seien neben dem Lobau-Tunnel „Ausbauten von S-Bahn, Bus und Bim notwendig“.

Der S1-Abschnitt zwischen Schwechat und Süßenbrunn würde nicht nur die Südosttangente entlasten, meint Kaske, sondern auch die Flächenbezirke. Allein der Donaustadt blieben pro Tag 30.000 Pendler aus dem Weinviertel erspart. Parallel dazu sieht er die Stadtplanung gefordert, Revitalisierungskonzepte für die alten Ortskerne in den Flächenbezirken vorzulegen.

150 Fußballfelder

Wirtschaftskammer-Chef Ruck sorgt sich ebenfalls. Komme der Lobau-Tunnel nicht, falle die Stadt um vier Milliarden Euro an Wertschöpfung aus den Bereichen Wohnen, Infrastruktur und Wirtschaft um – das Straßenbauprojekt noch gar nicht mitgerechnet. Insgesamt würden 25.000 Jobs nicht geschaffen. Durch den Tunnel könnten Betriebsgebiete aufgewertet und Flächen neu erschlossen werden, meint er. „Allein in der Donaustadt gäbe es 105 Hektar an Freiflächen – das entspricht 150 Fußballfeldern.“

Und auch der Erfolg der Stadtentwicklungsgebiete – etwa der Seestadt Aspern – wäre vom Tunnel abhängig, meint Ruck. Denn mit dessen Errichtung stehe und falle die geplante Stadtstraße in Ost-West-Richtung und damit eine wichtige Anbindung der Seestadt. Werde der Tunnel nicht gebaut, „würde das ab 2018 einen Baustopp für die Erweiterung der Seestadt Aspern bedeuten“, warnt Ruck. Für das Projekt sprechen sich auch ÖAMTC und Wiener ÖVP aus.

Kritik an AK und WK üben dagegen Bürgerinitiativen, die Umweltorganisation VIRUS sowie die grüne Fraktion in der Arbeiterkammer (AUGE/UG). VIRUS-Sprecher Wolfgang Rehm verweist darauf, dass noch immer kein rechtskräftiger UVP-Bescheid vorliegt. Hürden seien unter anderem „der Verlauf des Tunnels in für die Trinkwasserversorgung Wiens heiklen Grundwasserzonen, die Verlärmung bisher ruhiger Wohngebiete in der Donaustadt, Luftschadstoffprobleme sowie der inferiore Brandschutz im Tunnel“.

Zurzeit prüft das Bundesverwaltungsgericht den positiven UVP-Bescheid für den S1-Abschnitt von Schwechat bis Süßenbrunn. Wiens grüne Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou will demnächst Alternativrouten für das Vorhaben präsentieren.