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Chronik | Wien
01/20/2019

Sozialarbeiter und Polizei wollen besser zusammenarbeiten

Hilfe für Obdachlose soll verbessert werden. Sie einfach wegzuweisen, ist keine Lösung.

Neues Projekt. Die Sozialarbeiter der Wiener Wohnungslosenhilfe und die Polizei haben ein Beziehungsproblem: „Wir haben zwar viel miteinander zu tun, aber richtig gut kennen wir einander nicht“, sagt Doris Czamay, Geschäftsführerin der Organisation Obdach Wien. Das soll sich nun ändern: Mit einer neuen Aktion wollen das Sozialressort und die Landespolizeidirektion die beiden Berufsgruppen näher zusammenbringen. Dabei soll auch etwas für die Bevölkerung herausspringen: Sie soll sich sicherer fühlen.

„Die Erwartungshaltung an die Polizei ist, Probleme in der Sekunde zu lösen. In vielen Fällen gelingt das, in anderen braucht es aber Kooperation“, sagt Sozialstadtrat Peter Hacker (SPÖ). Etwa bei Beschwerden über Obdachlose, erklärt Landespolizeipräsident Gerhard Pürstl. Menschen ohne Dach über dem Kopf wegzuweisen und damit Konflikte zu verlagern, sei keine Lösung: „Das kann es nicht sein. Wir müssen uns konkret anschauen, welche Hilfe die Menschen brauchen.“

Mehr Verständnis

Das erfordere Zusammenarbeit: „Der Polizist muss sich Partner suchen, damit er seine Aufgaben erfüllen kann“, sagt Pürstl. Zusätzlich gelte es, bei der Bevölkerung Verständnis für das gemeinsam gewählte Vorgehen zu schaffen. Insgesamt soll so letztlich das Sicherheitsempfinden der Bevölkerung steigen. Gut bestellt sei es darum nämlich nicht, sagt Pürstl: „Die Kriminalität ist laut Statistik niedrig, aber die Bevölkerung empfindet das nicht so.“

Erste Schritte auf dem Weg zu einer besseren Kooperation sind bereits gesetzt. Im Dezember absolvierten rund 70 Polizisten und Mitarbeiter der Wohnungslosenhilfe im Rahmen der Initiative „Gemeinsam Sicher“ Workshops. Die dabei generierten Ideen und Vorschläge sollen nun weiterentwickelt werden.

„Es ist wichtig, die Aufgabe und die Situation des jeweils anderen zu verstehen“, betont Stadtrat Hacker. Das dies nicht von vornherein gegeben sei, liegt laut Obdach-Wien-Chefin Doris Czamay an den unterschiedlichen Aufgaben der Berufsgruppen: „Sozialarbeiter handeln parteiisch für ihre Klienten. Die Polizei hat den Auftrag, für Recht und Ordnung zu sorgen.“ In den Augen von Sozialarbeitern seien Obdachlose Menschen, die Probleme haben – in jenen der Polizei solche, die Probleme machen.

„Wir haben früher nicht falsch gearbeitet“, sagt Kontrollinspektor Siegfried Lachner, der am Workshop teilgenommen hat. „Aber wir können besser arbeiten.“ Er hat bei einem seiner Einsätze bereits konkret von seinen neuen Kontakten und der daraus generierten Expertise profitiert.

Als er mit Kollegen eine Obdachlose aufsuchte, die im Wald lebte, verzichteten die Beamten auf ihre Uniformen – um die Frau nicht zu verschrecken. Sie ließ sich letztlich zum Mitkommen bewegen.