"Sniper-Tourist": Österreicher soll Zivilisten im Bosnienkrieg getötet haben
Er soll im Bosnien-und-Herzegowina-Krieg auf Menschen geschossen haben – aus reinem Vergnügen. Es sind harte Anschuldigungen, mit denen ein Österreicher derzeit konfrontiert wird. Er soll in den 1990er-Jahren in das Kriegsgebiet in Sarajevo gereist sein, um dort als Scharfschütze auf Zivilisten zu schießen. Diese „Sniper-Touren“ sollen bis zu mehreren Hunderttausend Euro gekostet haben. Waren Kinder das Ziel, wurde es teurer.
Geheimdienst-Infos
Diese Praxis der Sniper-Touristen wurde erstmals 2022 durch den Dokumentarfilm „Sarajevo Safari“ des slowenischen Regisseurs Miran Zupanič einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Der italienische Schriftsteller Ezio Gavazzeni nahm den Film zum Anlass, eigene Recherchen zu starten. Er stöberte in Archiven des bosnischen Geheimdienstes und wurde fündig. Zeugen berichteten, dass sie von italienischen Staatsbürgern wissen, die als Touristen nach Sarajevo gekommen waren, um dort Menschen zu töten. Hunderte sollen an diesen Jagdausflügen in den Jahren 1992 bis 1996 teilgenommen haben. Man traf sich in Triest, nahm dann ein Flugzeug nach Belgrad und schließlich einen Hubschrauber nach Sarajevo.
Österreicher verdächtigt
An diesen Touren sollen auch Österreicher beteiligt gewesen sein. Das Justizministerium bestätigte dem KURIER am Dienstag, dass bereits seit Mitte April Ermittlungen gegen einen Mann laufen. Auch gegen einen weiteren, bisher unbekannten, wird ermittelt.
Die Informationen des Justizministeriums folgen einer parlamentarischen Anfrage der ehemaligen Ministerin des Ressorts Alma Zadić (Grüne). Sie berief sich wiederum auf Autor Gavazzeni, der im Zuge seiner Recherchen Österreich konkret ansprach: „Jedes Land, auch Österreich, sollte Ermittlungen einleiten, wie wir es in Italien getan haben. Jedes Land sollte seine Hausaufgaben machen“, so der Autor. In Italien hatten Gavazzenis Recherchen schon vor Monaten Blüten getragen: Die Staatsanwaltschaft in Mailand befragte bereits einen nun 80 Jahre alten Mann. Der ehemalige Lastwagenfahrer aus der friaulischen Provinz Pordenone soll als Hobby-Scharfschütze an den Touren teilgenommen haben. Ermittelt wird gegen ihn wegen Mordes.
Organisierte Touren
Während der Belagerung der bosnischen Hauptstadt Sarajevo starben zwischen 1992 und 1996 rund 11.000 Menschen. In diesen Kriegswirren soll eine Organisation die Reisen für die gut betuchten Jagdtouristen angeboten haben. Laut dem italienischen Autor habe es fast jedes Wochenende eine Tour gegeben – insgesamt an die 200. Getarnt wurden sie demnach als Jagdausflüge am Balkan. Die Schützen sollen dann auf Hügeln rund um Sarajevo auf Zivilisten geschossen haben. Wer hinter der Organisation steckt und damit Millionen verdient haben muss, ist unklar. Es wird spekuliert, dass Angehörige der Armee der bosnischen Serben beteiligt gewesen sein könnten.
„Es waren reiche Leute, die dorthin gingen, um Spaß zu haben. Wir sprechen von Menschen, die Waffen lieben und vielleicht auch auf Safari nach Afrika fahren. Für solche Menschen ist das Schießen wie ein Videospiel, es ist für sie egal, ob sie ein Tier, eine Frau, einen alten Menschen oder ein Kind treffen. Sie kennen nur die Sprache des Geldes“, sagte Gavazzeni in einem Interview im Februar dieses Jahres.
Schockierend sei laut dem Aufdecker, dass die Vorgänge erst jetzt ans Licht kommen. Schon während des Krieges hatten italienische Tageszeitungen über diese Scharfschützen-Touristen berichtet, die Gerichte der betroffenen Länder sprangen aber nicht auf die Causa auf. Im Jahr 2007 sagte dann der ehemalige US-Soldat John Jordan vor dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag aus und wiederholte die Anschuldigungen gegen die Touristen. Die Aussage passierte im Zuge des Prozesses gegen den bosnisch-serbischen General Dragomir Milošević. Jordan erklärte unter Eid, er selbst habe gesehen, wie Personen, die durch Kleidung und Waffen nicht als Einheimische zu identifizieren waren, von Aufständischen oder Soldaten auf Scharfschützenpositionen geführt worden waren. Die Aussage hatte keine Konsequenzen.
Es bleibt abzuwarten, ob Österreich und Italien mehr als 30 Jahre später die Verdächtigen abstrafen.
Schockierend sei laut dem Aufdecker, dass die Vorgänge erst jetzt ans Licht kommen. Schon während des Krieges hatten italienische Tageszeitungen über diese Scharfschützen-Touristen berichtet, die Gerichte der betroffenen Länder sprangen aber nicht auf die Causa auf. Im Jahr 2007 sagte dann der ehemalige US-Soldat John Jordan vor dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag aus und wiederholte die Anschuldigungen gegen die Touristen. Die Aussage passierte im Zuge des Prozesses gegen den bosnisch-serbischen General Dragomir Milošević. Jordan erklärte unter Eid, er selbst habe gesehen, wie Personen, die durch Kleidung und Waffen nicht als Einheimische zu identifizieren waren, von Aufständischen oder Soldaten auf Scharfschützenpositionen geführt worden waren. Die Aussage hatte keine Konsequenzen.
Es bleibt abzuwarten, ob Österreich und Italien mehr als 30 Jahre später die Verdächtigen abstrafen.
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