© Riedler/Josephinum

Wien
09/25/2019

Sensation im Josephinum: Wandmalereien besser erhalten, als gedacht

MedUni, Bundesimmobiliengesellschaft und Bundesdenkmalamt müssen sich nun ausmachen, wer das zahlt.

von Julia Schrenk

Direktorin Christiane Druml bezeichnet ihn als einen „60er-Jahre Schulverschnitt“, den Hörsaal des Josephinums der Medizinischen Universität Wien in der Währinger Straße 25.  Zumindest was dessen bisherigen Zustand betrifft.

Denn 1947 wurde in den historischen Hörsaal aus dem Jahr 1784 eine Zwischendecke eingezogen, spätestens in den 1960er-Jahren wurden die Wände weiß übermalt. Das habe das zweistöckige halbkreisförmige „Herzstück“ des Josephinums „verunstaltet und ruiniert“, wie Direktorin Druml sagt.

 

 

 

Damit ist es nun vorbei.

Denn das Josephinum, in dem die historische medizinische Sammlung der MedUni Wien untergebracht ist – am bekanntesten sind wohl die anatomischen Wachsmodelle aus dem 18. Jahrhundert –  wird renoviert. Diese Woche wurde – mit einem halben Jahr Verspätung – damit begonnen.  11 Mio. Euro lassen sich das die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG)  und die MedUni kosten.

Im Zuge der Renovierung wird auch der Hörsaal, der  künftig als Festsaal dient, wieder auf seine ursprünglich 9 Meter Raumhöhe rückgebaut. Dabei treten auch jene Wandmalereien zutage,  die dort 1785,  als das Josephinum eröffnet wurde, an den Wänden angebracht waren. 

15 Porträts von Gelehrten –  etwa des Arztes Hippokrates, des Chirurgen Giovanni Lanfranchi oder des Anatomen Galenos von Pergamon, zieren die Wände des einstigen Hörsaals - hier in der Abbildung eines Kupferstiches von Hieronymus Löschenkohl:

Diese Fresken werden nun  freigelegt, und, wie der KURIER erfuhr, bereits von einem Steinrestaurator begutachtet. „Es hat sich herausgestellt, dass sie wunderbar erhalten sind und so ausschauen, wie sie auf dem Kupferstich von  Hieronymus Löschenkohl dargestellt sind“, sagt Druml.

Die Wandmalereien seien in besserem Zustand, als bisher angenommen. Schritt für Schritt werden die Fresken, die in einem bräunlich-violetten Grundton in Erscheinung treten, nun quasi zurückgeholt. „Es handelt sich um eine Sensation, dass die Wandmalereien so gut erhalten sind“, sagt Direktorin Druml. 

 

Wer zahlt? Und zahlt überhaupt jemand?

Allerdings: Mit Fresken in solch gutem Zustand haben MedUni und BIG bei der Budgetierung der Renovierung nicht gerechnet. „Ob die Fresken in vollem Umfang freigelegt werden und wie sich BIG, MedUni und Bundesdenkmalamt die Kosten dafür aufteilen,  ist nun Gegenstand von Gesprächen“, sagt Ernst Eichinger, Sprecher der BIG.

Bis 2021 wird das Josephinum zu einem medizin-historischen Museum umgebaut. Die Sammlung beherbergt nicht nur die berühmten Wachsmodelle, sondern unter anderem auch das Original-Mikroskop von Theodor Billroth oder erste chirurgische Instrumenten für die Augenheilkunde. In der Josephinischen Bibliothek finden sich Schätze wie eine Erstausgabe von Sigmund Freuds "Traumdeutung" oder anatomische Atlanten aus dem 15. Jahrhundert.

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