Schweizerhaus: Wie das Budweiser vor 100 Jahren nach Wien kam

Ein kleiner Schwindel in einem Wirtshaus in Budweis begründetet eine inzwischen 100 Jahre alte Partnerschaft und prägt das Schweizerhaus bis heute.
Karl Kolarik mit einem Budweiser Bier im Schweizerhaus

Das Ende des Ersten Weltkrieges änderte alles: im Großen, im Kleinen und im Schweizerhaus. Das stand im Jahr 1920 leer und war komplett ramponiert. Fleischhauer Johann Kolarik überzeugte dennoch seinen damals 19-jährigen Sohn Karl, das Lokal zu übernehmen.

Der Betrieb beschränkte sich auf Mai bis Ende September und „ein verregneter Sommer war eine Katastrophe. Der Betrieb war alleine nicht durchzubringen“, erzählt Karl Hans Kolarik, Sohn von Karl senior.

Auch der Betrieb einer Kantine in einem Arbeiterheim und eines Wirtshauses am Floridsdorfer Spitz warfen nicht genug ab, um das Schweizerhaus mitzufinanzieren. Ein Ganzjahresbetrieb sollte her, genauer ein Lokal in der viel frequentierten Steindlgasse in der Innenstadt.

Die Brauerei als Bank

Den Kredit für den Kauf erhoffte sich der junge Kolarik statt von einer Bank von der Brauerei Pilsner zu bekommen, eine übliche Praxis. Deren Bier wurde ohnehin auch im Schweizerhaus ausgeschenkt. Der junge Kolarik blitze jedoch ab („Wir Pilsner trinken unser Bier gerne selbst“).

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Im Schweizerhaus wird seit Mai 1926 Budweiser Budvar ausgeschenkt.

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Karl Kolarik brachte das Bier von einer Reise nach Südböhmen mit.

Karl Kolarik mit einem Budweiser Bier im Schweizerhaus

Auf einer Reise nach Südböhmen im Jahr 1926 versuchten es Vater und Sohn bei einer Brauerei in Wittingau – vergeblich, zu viel Papierkram, soll es schon damals geheißen haben. Nach dem Besuch einer Landwirtschaftsausstellung in Budweis kehrten Vater und Sohn schließlich in ein Wirtshaus ein. Wie viel Bier sie dort tranken, sollte der jeweils andere jedoch nicht wissen.

Der Bierdeckel-Schwindel

Also bezahlten Vater und Sohn heimlich ein paar ihrer Biere direkt beim Kellner, um sie so vom gemeinsamen Deckel streichen zu lassen. Am nächsten Morgen gestand man sich gegenseitig den Schwindel – zum Glück. Viel mehr als die Flunkerei interessierte die beiden, wieso sie gar kein Kopfweh hatten. Laut Familiengeschichte sollen es mindestens acht Gläser gewesen sein.

Ihr Wiener seid komisch – ihr seid in Budweis, was glaubt ihr, welches Bier ihr hier trinkt?

von Wirt

Budweis

Auf die Frage beim Wirt, was sie da eigentlich getrunken hatten, antwortete dieser nur lachend: „Ihr Wiener seid komisch – ihr seid in Budweis, was glaubt ihr, welches Bier ihr hier trinkt?“ Noch im selben Jahr wurde die Zusammenarbeit mit Budweiser Budvar besiegelt.

Für das Bier sprach aber noch mehr, als nur das ausgebliebene Kopfweh: Auch der Wiener Bier-Geschmack hatte sich in der Nachkriegszeit verändert. Statt der extremen Hopfenherbe bevorzugten Gäste zunehmend süffigere Alternativen.

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Karl Hans Kolarik, Sohn von Karl senior, gibt eine Preisgarantie fürs Krügerl.

Zur Feier der 100-jährigen Partnerschaft wurde in Budweis ein Jubiläumsbier eingebraut, das nur vom 13. bis 19. April vom Fass ausgeschenkt wird. Das Besondere: Es wurde der Hopfen nicht getrocknet, sondern grüner Hopfen frisch vom Feld verwendet.

Weil man das Bier nach tschechischer Lagertradition über fünf Monate reifen ließ, musste es auch nicht extra geklärt werden. In dem unfiltrierten Bier sind mehr Aromen erhalten geblieben und der Geschmack schön süffig, floraler und tiefer.

Preisgarantie fürs Krügerl

Stabil bleibt vorerst trotz Teuerung auch der Bierpreis im Schweizerhaus. Das Krügerl kostet in der dritten Saison in Folge unverändert 5,90 Euro. „Beständigkeit ist ein Kernwert unseres Hauses. Dass wir den Preis trotz der wirtschaftlichen Herausforderungen stabil halten können, ist unser Dankeschön an die Wienerinnen und Wiener für 100 Jahre Treue“, betont Kolarik.

Wer es in der Jubiläumswoche nicht ins Schweizerhaus schafft, bekommt das Spezialbier in einer kleinen Auflage in ausgewählten Spar-Filialen. Erhältlich sind ab Mai 16.000 Geschenkboxen mit je sechs 0,75 Liter-Flaschen plus Krügerl. Na zdraví! (Tschechisch für Prost)

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