Leere Schulwart-Wohnungen trotz Platznot: Teils mehrere Jahre ungenutzt
„Schule im Park“ am Alsergrund: Im obersten Stock befindet sich eine große Schulwartwohnung – seit mehr als drei Jahren steht sie leer.
Die Wiener Schulen platzen aus allen Nähten. Das ist nicht bloß eine Floskel, sondern Realität, spätestens seit dem starken Familiennachzug im Jahr 2024 (der KURIER berichtete).
Somit müsste man annehmen, dass die Schulverwaltung um jeden freien Quadratmeter für eine bessere Lern- und Aufenthaltsqualität der Kinder und Jugendlichen kämpft. Dass dem nicht immer so ist, zeigen nun aber Recherchen des KURIER über (leere) Schulwartwohnungen.
Letztere sind – ähnlich wie Hausmeisterwohnungen – ein Relikt aus dem 20. Jahrhundert und längst ein Anachronismus in einem modernen Schulbetrieb. Obwohl die Stadt Wien schon seit einigen Jahren keine neuen Schulwartwohnungen mehr zuweist, gibt es an fast jeder dritten der rund 400 städtischen Schulen noch solche Dienstwohnungen.
Das teilt die MA 56 (Schulen) auf Anfrage nach Informationsfreiheitsgesetz mit: Von diesen 132 Schulwartwohnungen sind „derzeit 113 Wohnungen bewohnt und 19 wurden im Laufe der Zeit zurückgegeben und in weiterer Folge nicht mehr vergeben“.
Auskunft unzutreffend
Die frei werdenden Flächen würden dann „für den Schulbetrieb genutzt“: „Daher stehen diese Wohnungen nur kurze Zeit bis zur Umgestaltung frei“, heißt es laut offizieller Auskunft der MA 56.
Diese Aussage entpuppt sich jedoch als unzutreffend – denn „von kurzer Zeit“ des Leerstands kann bei zwei dem KURIER vorliegenden Fällen keine Rede sein.
100 m2 für den Schulwart
Das zeigt etwa die Causa der „Schule im Park“ in der Währinger Straße am Alsergrund: Viele Eltern staunten nicht schlecht, als sich 2016 – nach dem 11 Millionen Euro teuren Umbau zur Ganztagsschule – plötzlich eine große, voll ausgestattete Schulwartwohnung im obersten Stockwerk des Gebäudes befindet; zumal zuvor aufgrund des großen Platzbedarfs sogar extra der Kindergarten abgesiedelt werden musste. Und rasch stellte sich heraus, dass wegen des großen Andrangs der Platz an der Schule für die Kinder wieder nicht reichen sollte: Die Klassen wurden mehr, die Freizeiträume – die man in der verschränkten Schulform mit Anwesenheitspflicht bis 15.30 Uhr bekanntlich dringend benötigt – jedoch immer weniger.
Dann passierte Folgendes: Der mit seiner Familie auf rund 100 m2 wohnende Schulwart quittierte 2021 den Dienst und arbeitete fortan an einer anderen Schule.
Seit drei Jahren leer
Doch statt die Wohnung räumen zu müssen, um sie für den Schulbetrieb adaptieren zu können, blieb der Schulwart noch fast zwei Jahre dort wohnhaft. Und seither – also seit mehr als drei Jahren – stehen diese wertvollen Flächen leer. Hinter vorgehaltener Hand berichten Elternvertreter und Eltern von „politischem Desinteresse“, „bürokratischem Unsinn“ oder „gewerkschaftlicher Blockade“: „Wir hätten sogar finanziell tatkräftig unterstützt, damit diese Flächen endlich den Kindern zugutekommen, sind aber gescheitert“, heißt es von Eltern.
Auf den Fall angesprochen, bestätigt die MA 56 plötzlich doch, dass solche Wohnungsflächen an Schulen nicht immer schon nach „kurzer Zeit“ neu genutzt werden: 2024 – also ein Jahr nach dem Auszug – habe der SP-regierte Bezirk die Intention gehabt, die Dienstwohnung für schulische Zwecke zu nutzen. „Jedoch konnte noch kein Umsetzungszeitpunkt festgelegt werden, da derzeit noch nicht alle Zustimmungen vorliegen.“
Und hier kommt die Bürokratie ins Spiel: Außer der finanziellen und baulichen Klärung brauche es die „gesetzlich vorgesehene Zustimmung der Personalvertretung“. Jene der Schulwarte nämlich. Und deren Okay ist demnach deshalb ausständig, weil die Wohnung dem Vernehmen nach als Rückzugsort für den aktuell dort tätigen Schulwart dienen müsse.
Hortproblem der Gilgegasse
Ist die „Schule im Park“ ein Einzelfall oder gibt es bei den genannten 19 Ex-Domizilen noch weitere Leerstände? Auf diese Frage gibt die MA 56 keine Antwort; auch eine Liste mit allen Standorten dieser Dienstwohnungen wird aufgrund von „Sicherheitsaspekten“ verweigert.
Einbrüche an Schulen
Ein Argument, das oft pro Schulwartwohnungen in Schulgebäuden ins Treffen geführt wird, ist die Sicherheit. Durch die Anwesenheit nachts und an Wochenenden könnten Einbrüche vereitelt werden, heißt es. Ob es hier einen Zusammenhang gibt, ist unklar – Faktum ist, dass diese Delikte kaum eine Rolle spielen.
20.000 Euro Schaden
Laut MA 56 wurden 2024/’25 von neun Schulleitungen „Einbruchshandlungen“ gemeldet. Schadenssumme: 20.191,70 Euro. Gestohlen worden seien vorwiegend IT-Ausstattung und Bargeld aus Handkassen.
Dem KURIER ist aber ein Fall von jahrelanger Verzögerung bekannt: Ebenfalls im 9. Bezirk befindet sich die Volksschule Gilgegasse, die auch erst 2014 von Grund auf saniert wurde. Dabei war zwar Platz für eine Schulwartwohnung, nicht aber für einen Hort – weshalb Dutzende Kinder für die Nachmittagsbetreuung rund 500 Meter hinüber ins AKH pilgern müssen.
Diesen Zustand versuchen Eltern seit Jahren zu ändern, indem die Dienstwohnung für eine Hortgruppe umgenutzt werden soll. Ein Teilerfolg ist nun gelungen: Denn aus der seit Jahren leeren Schulwartwohnung wird zwar kein Hort, dafür entstehen „ein Gruppenraum sowie ein Aufenthaltsraum für das städtische Personal“: „Der Umbau soll im kommenden Jahr erfolgen“, teilt die städtische Schulverwaltungsbehörde mit.
Teil des Gehalts
Interessant ist, dass Schulwartdomizile Dienstwohnungen sind und „daher auch keine Mietverträge abgeschlossen“ würden. Welche Kündigungsfristen und Bedingungen gelten, wird von der MA 56 nicht mitgeteilt. „Die Benützung der Schulwartwohnung stellt einen Gehaltsbestandteil dar und daher wachsen der Stadt Wien keine Erträge daraus zu“, heißt es. Was aber nicht die Tatsache entkräftet, dass leere Flächen eine Ressourcenverschwendung darstellen.
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