© Kurier / Gerhard Deutsch

Interview
04/08/2021

Schulschließung im Lockdown: "Das schmerzt mich sehr!"

Christoph Wiederkehr setzt auf genauere Corona-Tests und Impfungen

Wiens erst 30-jähriger Vizebürgermeister Christoph Wiederkehr war erster Gast im SchauTV-Magazin „Checkpoint“ im neuen KURIER-Stadtstudio im Kochamt im Palais Ferstl. Der für Bildung zuständige Neos-Landeschef über seine Herausforderungen in der Corona-Krise.

KURIER: Herr Vizebürgermeister, es ist wieder Lockdown, auch Schulen sind geschlossen. Als Oppositionspolitiker haben Sie das kritisiert. Haben Sie sich nun für ein Offenhalten eingesetzt?

Christoph Wiederkehr: Es war immer das oberste Ziel von mir, weil jeder Tag im Distance Learning für Familien, aber auch für Kinder schwierig ist. Nachdem aber jetzt die Intensivstationen voll sind und wir nicht mehr wissen, wie wie wir Intensivpatienten behandeln sollen, und sich die Mutationen bei Kindern und daher in Schulen schneller verbreiten, ist es zu einer Neubewertung der Situation gekommen. Das schmerzt mich als Bildungspolitiker, aber wir müssen jetzt einen konsequenten Lockdown machen, um dann wieder die Schulen langfristig öffnen zu können.

Unsere große Hoffnung ist ja die Impfung, aber Kinder werden zunächst nicht geimpft. Müssen wir uns Sorgen machen, dass es selbst im Herbst in den Schulen nicht wieder normal wird?

Wir wollen auf hochwertigere Gurgel-Tests umstellen. Wir impfen das Personal in Schulen und Kindergärten. Wenn auch Eltern und Großeltern geimpft sind, wird es sicher auch leichter.

Wann werden die Kinder in den Schulen die Masken wieder abnehmen können?

Ich möchte keine unsicheren Prognosen zu früh äußern. Denn ich glaube, es war ein großer Fehler der Bundesregierung in dieser Pandemie, zu früh Hoffnung zu machen. Ich möchte realistischer und ehrlicher sein: Wir wissen es nicht, leider.

Gerade in Wien war trotz Homeschoolings die Quote jener Kinder, die trotzdem zur Betreuung in die Schule gebracht wurden, hoch. Sollen Kinder wirklich nur im Notfall geschickt werden?

Mein Appell ist, die Kinder zu Hause zu lassen, wenn man die Möglichkeit dazu hat, weil das Infektionsgeschehen gesenkt wird. Es ist aber garantiert, dass alle eine Betreuung bekommen, wenn es wirklich notwendig ist.

Sie haben im Wahlkampf den Bürgermeister aufgefordert, alle Corona-Strafen zu erlassen. Wie sehen Sie das nun, etwa bei Demonstranten, die Abstandsregeln nicht einhalten?

Ich habe das im Sommer gesagt, weil der Verfassungsgerichtshof Verordnungen des Gesundheitsministerium aufgehoben hat. Damit wurde den verhängten Strafen die Grundlage entzogen. Jetzt sind die Strafen auf einer soliden rechtlichen Basis. Dennoch sollte man mit Augenmaß vorgehen. Gerade bei jungen Menschen sollte zuvor informiert werden, bevor man als letztes Mittel straft.

Es gab Kritik an einem profil-Interview, in dem Sie über das Kreuz am Halsketterl von Schulkindern gesprochen haben. Wollen Sie es als religiöses Symbol verbieten?

Ich habe das damals im Kontext gesagt, als das Kopftuchverbot als diskriminierend aufgehoben wurde, was ich begrüßt habe. Eine einzelne Religion herauszupicken und zu diskriminieren, ist nicht meine Auffassung eines liberalen und säkularen Staates. Aber es ist natürlich eine persönliche Entscheidung, ein religiöses Symbol um den Hals zu tragen.

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