Schrödingerplatz Neu: Ein Facelifting für die Donaustadt
Die Bezirksvorstehung ist ins „Vienna Twentytwo“ gezogen.
Das Gesicht der Donaustadt verändert sich. Nicht nur an den Rändern, wo große Stadtentwicklungsgebiete entstehen, sondern auch mitten im Herzen des Bezirks. Dort, wo früher das politische Machtzentrum war. Am Schrödingerplatz.
Genau dort, in der Nähe der U1-Station Kagran, entsteht derzeit ein neues Grätzl. Der Grundstein dafür ist schon vor Jahren gelegt worden. Ende 2022 hat die Bezirksvorstehung Donaustadt ihren ehemaligen Sitz im Amtshaus am Schrödingerplatz verlassen und ist in ein achtstöckiges Hochhaus im von den Bauträgern Signa und Are errichteten Gebäudekomplex „Vienna Twentytwo“ am Dr.-Adolf-Schärf-Platz gezogen. Anfang 2025 hat dann der Gemeinderat den neuen Flächenwidmungs- und Bebauungsplan für das Areal am Schrödingerplatz beschlossen. Dem Facelift für das Grätzl steht seitdem also nichts mehr im Wege.
Mehrere Petitionen
Und die ersten Hinweise, dass sich etwas tut, zeigen sich nun. Das gefällt aber nicht allen: Es regt sich Protest - in Form von Petitionen. Ja genau, mehrere.
Zum einen gegen die Schließung der Bibliothek. Wie der KURIER berichtete, ist die Bibliothek im ehemaligen Amtshaus Kagran erst kürzlich geschlossen worden. Über 500 Personen haben die Petition zu deren Erhaltung bisher unterschrieben.
Das ehemalige Amtshaus soll zum Großteil abgerissen werden. Es weicht einem neuen Grätzl.
Erzürnt zeigen sich die Anrainerinnen und Anrainer der Bernoullistraße dieser Tage zum anderen aber über die Errichtung eines Gemeindebaus.
Anfang April wurde auf der anderen Straßenseite (siehe Grafik) der Spaten in die Erde gestochen, entstehen soll dort ein neuer Gemeindebau mit 88 leistbaren Wohnungen. Bestehen wird die neue Wohnhausanlage aus drei Gebäuden, einem achtgeschoßigen Paarbauwerk sowie einem freistehenden Gebäude. Fertiggestellt werden soll der gesamte Komplex bis Sommer 2028, heißt es in einer Aussendung der Stadt.
Einigen Anrainern ist die Bauphase aber ein Dorn im Auge. Sie klagen über starke Staubbelastung, Bauarbeiten mitten in der Nacht, gestrichene Parkplätze und gefällte Bäume – und fordern eine Mietzinsreduktion, wie zuerst der ORF berichtete. 130 Personen unterstützen die Petition bereits.
Wiener Wohnen zeigt in dieser Causa Verständnis: „Uns ist bewusst, dass das kein Spaß ist, wenn ein neuer Gemeindebau entsteht.“ Man bemühe sich aber, die entstehenden Unannehmlichkeiten so gering wie möglich zu halten, so ein Sprecher.
In Bezug auf die Kritikpunkte der Petitionsunterzeichner hält Wiener Wohnen aber dagegen. Nur einmal sei ein Schwertransport mitten in der Nacht – nämlich um 4.30 Uhr – auf die Baustelle zugefahren. Das sei nicht anders möglich gewesen. An allen anderen Tagen würden die Bauarbeiten um 6.30 Uhr beginnen, obwohl ein Baubeginn bereits ab 6 Uhr erlaubt wäre, so ein Sprecher.
Bäume, Parkplätze, Staub
Insgesamt hätten 27 Bäume weichen müssen, bestätigt Wiener Wohnen. Diese würden aber durch 50 neue ersetzt. Gleiches gelte für die wegfallenden Parkplätze. Alle Anrainer, denen ein Parkplatz gestrichen wurde, wurden mit einem Ersatzparkplatz ausgestattet, heißt es. Nach Abschluss der Bauarbeiten werde dann eine Tiefgarage zur Verfügung stehen. Der Kindergarten werde ebenfalls ersetzt. Zweistöckig soll er werden, mit Platz für neun statt für sechs Gruppen.
Nur der Staub, der könne nicht wegargumentiert werden. „Aber“, so der Sprecher von Wiener Wohnen, „nur weil am Nachbargrundstück ein Gemeindebau entsteht, hat man nicht automatisch Anspruch auf Mietzinsreduktion.“ Eingereichte Ansuchen um eine Reduktion würden aber selbstverständlich geprüft werden, heißt es.
Die VHS ist nun in der Attemsgasse 38 untergebracht.
An Baustellen müssen sich die Anrainerinnen und Anrainer der Bernoullistraße aber sowieso gewöhnen. Der neue Gemeindebau steht nämlich in Zusammenhang mit einem größeren Umbauprojekt in der Donaustadt. Auf dem Areal des bisherigen Amtshauses entsteht das Grätzl „Schrödingerplatz NEU“.
Das bestehende Amtshaus wird dafür größtenteils abgerissen. An seine Stelle treten mehrere Gebäudekomplexe. Mehr als 300 leistbare Wohnungen sollen entstehen, ist in den Planungen der Stadt zu lesen. Aber auch Flächen für Sozial–, Versorgungs- und Kultureinrichtungen sind vorgesehen.
Eine neue Bibliothek soll es auf dem neuen Areal übrigens auch wieder geben, hieß es zuletzt von der MA 13 (Bildung und Jugend) auf Anfrage des KURIER. Nur in der Übergangszeit werde Kagran ohne Bibliothek bleiben.
Baubeginn: 2027 (vielleicht)
Wie lange diese „Übergangszeit“ dauern wird, ist allerdings noch nicht ganz klar. „Der Baubeginn (für den Schrödingerplatz NEU, Anm..) könnte 2027 erfolgen“, ist in einer Aussendung der Stadt zu lesen.
Es dauert also noch ein bisschen, bis Kagran seinen neuen Schrödingerplatz erhalten wird. Bis zuletzt wurde das ehemalige Amtshaus noch genutzt beziehungsweise zwischengenutzt. In einem Teil des Gebäudes war neben der Bibliothek etwa auch die Volkshochschule untergebracht. Im Mai ist schließlich aber auch sie ausgezogen und an ihrem neuen Standort, dem Areal der „Roten Emma“ in der Attemsgasse 38, eingezogen.
144 Kurse im Sommer
Ab heute, Montag, finden am neuen 1.600 Quadratmeter großen Standort auch Kurse statt, wie die Volkshochschule mitteilt. 144 Kurse und Veranstaltungen stehen allein diesen Sommer auf dem Plan, im kommenden Herbstsemester werden es 709 sein.
Außerdem soll die neue VHS Donaustadt in Zukunft auch „ein Raum im Bezirk werden, wo Kunst ihren Platz findet“, heißt es. Das sogenannte „Atelier“ soll etwa als Ausstellungs- oder Musikraum genutzt werden können.
Gelebt werden soll das von Beginn an: Schon zur Eröffnung der neuen Volkshochschule werde die Ausstellung „Mental Load und unsichtbare Arbeit“, die auch auf der Biennale präsentiert wird, gezeigt. Bis September haben Interessierte Zeit, sich die Ausstellung anzusehen - und damit einen Teil des neuen Gesichts der Donaustadt zu erleben.
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