Seit August befinden sich die ersten Ziesel im Winterschlaf.

© Nationalpark Donauauen/Stefaner

Floridsdorf
11/18/2016

Schlafende Ziesel halten Baumaschinen auf Distanz

Da nicht untersucht wurde, ob Bagger die Nager wecken könnten, wird heuer nicht mehr gebaut.

von Bernhard Ichner

Eigentlich wollten die BauträgerKabelwerk und Co. – noch 2016 mit der Errichtung der ersten 130 (von 950) Wohnungen beginnen. Doch zumindest einen Winter(schlaf) lang haben die Ziesel beim Stammersdorfer Heeresspital jetzt noch Ruhe vor den Baggern. Denn die geschätzten 200 streng geschützten Nager dürfen keinesfalls geweckt werden.

Zwar haben sich die Tiere, wie berichtet, so weit verlagert, dass auf einem Teil des Areal mit dem Bau begonnen werden dürfte. Aber als die Bauwerber heuer im Juli alle erforderlichen Auflagen der Umweltschutzabteilung (MA22) erfüllt hatten, begannen die ersten Ziesel bald darauf mit dem Winterschlaf. Ältere Weibchen zogen sich bereits im August in die Baue zurück, der Rest folgte bis Ende Oktober.

Und damit heißt es für „Kabelwerk“: weiter warten.

Hüpfender Arbeiter

Denn bis dato wurde nicht ausreichend untersucht, wie weit sich die Erschütterungen durch Baumaschinen im Boden fortpflanzen würden. Damit kann auch nicht beantwortet werden, ob die Ziesel aufgeweckt würden – was für sie unter Umständen tödlich enden könnte.

Biologin Ilse Hoffmann, die für die ökologische Bauaufsicht mitverantwortlich ist, kritisiert, dass seitens der Bauträger zwar Vibrationsmessungen vorgelegt wurden – „aber da wurden nur untersucht, wie weit sich die Erschütterungen fortpflanzen, die ein hüpfender Arbeiter verursacht. Die Erkenntnisse sind nur bedingt auf Ziesel umlegbar.“

Dass es keine genauen Daten gibt, mache auch die Einschätzung schwierig, wie groß der Mindestabstand zwischen Bautätigkeit und Zieselbauen sein müsse, sagt Hoffmann. Für sie ist die Herangehensweise der Bauträger daher „etwas naiv gepaart mit Unwissenheit“.

Ballspiele

Kabelwerk-Chef Manfred Wasner war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Über eine PR-Agentur lässt er aber ausrichten: „Der Ball liegt bei der MA22, dort muss man nun die Wirkung besagter Erschütterungen abklären und die nächsten Schritte vorgeben. Wir sind startklar.“ Man sei zuversichtlich, dass 2017 mit dem Bau begonnen werden kann.

Die angesprochene Behörde spielt den Ball allerdings an die Bauwerber zurück. Zwar sei vorgesehen, die Auswirkungen der Vibrationen zu untersuchen, sagt MA22-Chefin Karin Büchl-Krammerstätter. „Uns fehlen aber noch Unterlagen der Projektwerber, um beurteilen zu können, ob es negative Auswirkungen auf benachbarte Flächen geben könnte.“

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