© Michael Wessig

Leopoldstadt
07/11/2016

Wien: Säureangriff auf Rettungssanitäter

Fläschchen mit Flüssigkeit wurde auf Rettungsauto abgestellt. Mann verätzte sich Finger.

von Anna-Maria Bauer

Es war ein unscheinbares Fläschchen, abgestellt auf einem Rettungsauto. Aber durch die Berührung dieses Gegenstands bzw. dessen Inhalts erlitt ein Mitarbeiter der Wiener Berufsrettung kürzlich schwere Verätzungen an zwei Fingern.

Der Vorfall ereignete sich am 1. Juli in der Lassallestraße im Bezirk Leopoldstadt. Der Sanitäter kam nach einem Einsatz zu seinem Rettungsauto zurück; das Auto war etwa eine halbe Stunde lang unbeobachtet gewesen. Beim Einsteigen entdeckte der Mann ein kleines Plastikfläschchen, gefüllt mit einer klaren Flüssigkeit, das außen an der Windschutzscheibe im Bereich der Scheibenwischer abgestellt worden war. Als der Sanitäter die Flasche angriff, um sie zu beseitigen, riss die Naht am Boden auf und die Chemikalie ergoss sich über zwei seiner Finger.

Im ersten Moment soll der Sanitäter noch nichts gespürt haben und beendete seinen Dienst auch regulär. Als am darauffolgenden Tag dann aber starke Schmerzen einsetzten, fuhr er ins Spital. Dort stellte sich heraus: Die Chemikalie im Fläschchen war offenbar stark ätzend. Das Gewebe der Finger, die damit in Berührung gekommen sind, stirbt nun ab und muss regelmäßig im Krankenhaus behandelt werden.

Amputation möglich

Thomas Berl von der AUF-Personalvertretung findet den Vorfall jedenfalls alarmierend: „Gewalt gegen Mitarbeiter der Rettung kommt leider immer wieder vor, aber so etwas habe ich noch nicht erlebt. Das war ein feiger Anschlag. Der Kollege könnte nun sogar zwei Finger verlieren. “

Ob die anderen Rettungsfahrer und Sanitäter über den Vorfall informiert worden sind? Ronald Packert, Sprecher der Wiener Berufsrettung, erläutert, dass ein eMail innerhalb der Wiener Berufsrettung verschickt worden war, in dem zur Vorsicht gemahnt wurde.
Für Personalvertreter Berl ist das zu wenig: „Es braucht Aushänge am schwarzen Brett. Man darf so einen Vorfall nicht totschweigen. Es könnte auch andere Berufsgruppen treffen.“

Der betroffene Sanitäter hat den Fall zur Anzeige gebracht. Die Polizei ermittelt wegen absichtlicher schwerer Körperverletzung und geht derzeit von einem Einzelfall aus. Auch aus der Vergangenheit ist kein ähnlicher Zwischenfall bekannt.