Wählen Sie KURIER als bevorzugte Google-Quelle

Totgesagte Sabina S.: Ministerium prüft mögliches Lebenszeichen

2014 reiste die 15-jährige Wienerin mit einer Freundin nach Syrien, sie wurde später für tot erklärt. Auf einem Video soll sie nun zu sehen sein.
Senada S.

Sabinas Bild ging im Jahr 2014 um die Welt: Die 15-jährige Wienerin und ihre Freundin Samra posieren voll verhüllt auf der Donauinsel. Kurz darauf waren sie nach Syrien gereist. Die Boulevard-Presse nannte sie die „IS-Postergirls“, sie wurden schnell zu einem Aushängeschild der Terrormiliz.

Samras Tod ist bestätigt. Auch Sabina wurde für tot erklärt. Doch nun prüft das Außenministerium, ob sie doch noch am Leben ist. Eine, die davon überzeugt ist, ist ihre Mutter. Senada S. kämpft seit Jahren um Gewissheit. Und sie stützt sich auf Videoaufnahmen, die ihr zugespielt wurden. Auch dem KURIER liegt dieses Video, das zu Beginn des Jahres aufgenommen worden sein dürfte, vor.

Hektik und Schreie

Zu sehen ist die Befreiung eines Gefängnisses in Raqqa, Syrien, in dem sich IS-Frauen und ihre Kinder befunden haben sollen. Männer öffnen die Zellentüren, brüllen laut „Allahu Akbar!“ Frauen strömen hektisch durch die Gänge, schreien. Eine von ihnen soll Sabina sein. Auch ihr Name könnte möglicherweise in dem Video fallen – doch Bild- und Tonqualität sind äußerst schlecht.

Für Senada S. gibt es keinen Zweifel: „Ich erkenne meine Tochter ganz deutlich. An ihrem Gesicht sehe ich, dass sie fertig ist.“ Sofort habe sie das Video an österreichische Behörden weitergeleitet. „Aber seither hat sich nichts getan“, meint sie.

In die Causa involviert ist das Außenministerium. „Wir haben das Video geprüft. Aufgrund der schlechten Bildqualität ist uns eine Identifizierung von Frau S. leider nicht möglich“, heißt es. Es würden keine Informationen vorliegen, ob die junge Frau noch am Leben ist. „Unsere Botschaften in Syrien und Irak haben sich aber an die zuständigen Behörden gewandt, um Informationen über das Schicksal und den Verbleib von Frau S. einzuholen.“ Auf Antworten wartet man derzeit noch.

Spur in den Irak

Sabina befinde sich aktuell in einem Gefängnis in Bagdad, Irak, sagt ihre Mutter. Das bekräftigt auch Bedri Elezi, ein Sicherheitsexperte aus dem Kosovo, der gute Kontakte in die Region pflegt. „Sie ist inhaftiert, weil ihr vorgeworfen wird, den IS unterstützt zu haben“, sagt er. Vor einigen Woche habe er zuletzt von ihr gehört. „Es ist schwierig, Informationen zu bekommen. Aber es geht ihr gut.“

Direkten Kontakt gibt es allerdings schon lange nicht mehr. Das letzte persönliche Lebenszeichen von Sabina gab es am 10. März 2019. „Bei mir ist das Internet schlecht“, schrieb sie ihrer Mutter aus Syrien. Dann soll sie bei einem Fluchtversuch mit ihren beiden Söhnen angeschossen worden sein.

46-183381766

Senada S. ist überzeugt, dass ihre Tochter lebt

Sabinas Söhne, die in Syrien auf die Welt kamen, sind mittlerweile acht und zehn Jahre alt. Sie befinden sich seit Jahren bei ihrer Großmutter Senada in Wien, waren zuvor in einem kurdischen Gefangenenlager untergebracht. Nach DNA-Tests, um das Verwandtschaftsverhältnis zu bestätigen, durften sie 2019 nach Österreich ausreisen.

Sabina selbst wurde für tot erklärt. Doch daran zweifelt ihre Familie. Mehrere Personen sollen bestätigt haben, dass die junge Frau überlebt hat und danach in ein syrisches Gefängnis gebracht wurde – eben jenes, aus dem das Video stammen soll. Schon vor Jahren prüfte das Außenministerium entsprechende Hinweise. Allerdings ohne Erfolg.

„Meinen Enkelsöhnen geht es gut. Aber sie fragen jeden Tag nach ihrer Mutter. Sie haben sie nicht vergessen“, sagt Senada S.

Kommentare