Walter Ruck ist zurück, doch alte Vorwürfe sind es auch
Der Anfang des Jahres massiv unter Druck geratene Wiener Wirtschaftskammerpräsident Walter Ruck hat in den vergangenen Wochen eine durchaus erstaunliche Trendwende hingelegt.
Nach Postenschachervorwürfen ging es einige Wochen medial – und auch in der Unternehmerschaft – heiß her. Noch nie zuvor schien das Ziel seiner Kritiker, ihn vom Thron zu stoßen, so nah. Ruck hat sich in seiner Karriere nicht nur Freunde gemacht. Der ÖVP-Politiker ist nicht immer mit dem Kurs seiner eigenen Partei einverstanden und tut das auch unverblümt kund.
Seine persönliche enge Freundschaft zu Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) ist umgekehrt in den eigenen Reihen nicht gern gesehen. Und gleichzeitig Teil des Fundaments seiner Macht. Die Kooperation von Stadt Wien und WKW ist nicht zuletzt ein offen nach außen getragenes Bekenntnis zur Sozialpartnerschaft und zur Wirtschaft selbst.
Unter der Hand wurde in der eigenen Fraktion viel über Ruck geätzt, öffentlich aus der Deckung wagte sich kaum jemand. Die ehemalige Gewerbe-Spartenobfrau Maria Neumann tat es und beklagte im Standard eine Rücktrittserklärung, die sie „gezwungenermaßen“ unterschrieben hatte. Da sie als Nationalratsabgeordnete und auch neue Kuratoriumsvorständin des WIFI Österreich, das auch zum WK-Kosmos gehört, durchaus vom System (auch finanziell) profitiert, wurde ihr dieses Vorpreschen nicht nur positiv ausgelegt.
Mit großer Mehrheit wiedergewählt
Die Hoffnung von manchen, sie könne Ruck als Präsidentin beerben, löste sich schnell in Luft auf. Auch niemand sonst traute sich eine Gegenkandidatur zu. Und so kommt es, dass Ruck wieder fest im Sattel sitzt. Im Mai wurde er vom ÖVP-Wirtschaftsbund mit 99,18 Prozent der Stimmen als Obmann wiedergewählt. Von der Wahl selbst hört man zwar auch Negatives. Etwa, dass Ruck-Leute vor den Urnen gestanden seien, um zu beobachten, wer zur Wahl geht. Auch dass die Wahl, die ursprünglich für Juni anberaumt war, spontan vorgezogen wurde, goutierten nicht alle.
Michael Ludwig reiste zur Generalaudienz von Papst Leo XIV.; begleitet wurde er unter anderem von Walter Ruck.
Der Ärger verließ die Gerüchteküche aber nicht und schlug sich vor allem nicht im Wahlergebnis nieder – Ruck erhielt 121 von 122 Stimmen. Nachdem intern alles geregelt war, folgte die Charmeoffensive nach außen. Ruck kündigte an, dass die WK Wien die Kammerumlage 2 um 25 Prozent senken werde. Eine langjährige Forderung der Betroffenen. (Dass Ruck Ludwig zu einem Treffen mit Papst Leo XIV. begleitete, ist im Monat von Rucks Polit-Auferstehung ein lustiges Detail.)
Die Reduktion der Kammerumlage 2 sei jedenfalls in „Effizienzsteigerungen“ begründet. „Wir haben bereits 2019 mit der Zusammenführung von zehn Standorten der WK Wien in das zentrale Haus der Wiener Wirtschaft und einer umfassenden Organisationsreform die Basis dafür gelegt“, so Ruck in einer Aussendung.
Ausgerechnet diese Zusammenführung oder vielmehr Verkäufe von Liegenschaften, die ihr zuvor gegangen sind, sind der Grund für neuerlich eingebrachte Vorwürfe gegen Ruck. Wie das Profil zuerst berichtete, haben vier Fraktionen – Grüne Wirtschaft, Unos, Freiheitliche Wirtschaft und Sozialdemokratischer Wirtschaftsverband – beim Kontrollausschuss der Wirtschaftskammer Österreich beantragt, dass der Immobilientausch der WK Wien mit René Benkos Signa geprüft werden solle. Das entsprechende Ansuchen liegt dem KURIER vor.
Konkret soll geprüft werden, ob beim Verkauf des Palais Festetics und des Gewerbehauses am Rudolf-Sallinger-Platz ein finanzieller Schaden für die WK Wien (und dementsprechend für die Mitglieder) entstanden sei.
In der Kammer gibt man sich gelassen
Die Vorwürfe an sich sind nicht neu, der KURIER berichtete bereits mehrfach. In der WK Wien gibt man sich aber gelassen. „Das Immobiliengeschäft rund um den Kauf des Hauses der Wiener Wirtschaft wurde vom Kontrollausschuss bereits geprüft und im Sinne der Darstellung der WKW abgeschlossen“, heißt es von einem Sprecher. „Die neuerliche Einbringung deutet eher auf parteipolitische Taktik hin – eine Annahme im Kontrollausschuss ist eher ungewiss.“
Dass der Antrag jetzt im Juni kommt, wo die Wogen geglättet scheinen, könnte auch daran liegen, dass Rucks Wiederwahl ursprünglich eben erst am 22. Juni stattgefunden hätte. Die vorgezogene Wahl könnte den Zeitplan der Kritiker etwas durcheinandergebracht haben.
Kommentare