Ein Brief birgt neue Vorwürfe gegen Walter Ruck

Wirtschaftskammer Wien Präsident Walter Ruck.
Wurden Funktionäre mit vorgefertigten Rücktrittserklärungen in der Wirtschaftskammer Wien unter Druck gesetzt?

Die Vorwürfe gegen Wiens Wirtschaftskammer- und Wirtschaftsbund-Chef Walter Ruck reißen nicht ab: Nun steht der ÖVP-Politiker für vorgefertigte Rücktrittserklärungen, die seine Funktionäre im Fall des Falles dann „gezwungenermaßen“ zu unterfertigen haben, in der Kritik.

Am Wochenende berichtete das Profil über die gängige Praxis innerhalb der Wiener Wirtschaftskammer und des Wirtschaftsbundes, über die bis dato nur hinter vorgehaltener Hand gesprochen wird. Im Standard wagte sich nun erstmals eine ehemalige Funktionärin namentlich an die Öffentlichkeit: die ÖVP-Politikerin Maria Neumann.

Die Nationalratsabgeordnete betreibt im 6. Bezirk in Wien eine Maßschneiderei und war lange Zeit in der Wiener Wirtschaftskammer als (durchaus angesehene) Spartenobfrau aktiv. Dann kam der 1. April 2025, an dem sie – wie der Standard berichtet – zu Ruck und Wirtschaftsbund-Direktor Florian Kollenz gerufen wurde. In dem Termin sei ihr mitgeteilt worden, dass Ruck künftig „eine andere Person mit der Führung der Sparte betrauen wolle“.

„In meinem Namen“

Die beiden Männer hätten ihr sogleich auch ein „in meinem Namen, aber nicht von mir verfasstes Schreiben“ vorgelegt, in dem Neumann mit ihrer Unterschrift ihren Rücktritt in all ihren Funktionen in der Wiener Wirtschaftskammer und im Wirtschaftsbund einreichen musste. „Gezwungenermaßen“ und „vollkommen unvorbereitet“.

Neumann ist, wie dem KURIER bestätigt wird, kein Einzelfall. So mancher habe bei Amtsantritt einen Blanko-Rücktritt unterfertigen müssen – der dann hervorgeholt werden kann, wenn man „unliebsam“ wird.

Wie die Causa jetzt an die Öffentlichkeit kam? Neumann schrieb einen internen Brief unter anderem an die neue Wirtschaftskammer-Österreich-Präsidentin Martha Schultz. Sie wollte festhalten, dass „die Beendigung meiner Funktion NICHT auf meinen Wunsch erfolgt ist“. Der Brief wurde dem Standard zugespielt, Neumann bestätigt seine Echtheit.

Der Wiener Wirtschaftsbund rechtfertigt sich: Neumann habe als ÖVP-Nationalrätin zu wenig Zeit für ihren Job als Spartenobfrau gehabt. Man habe ihr einen „gesichtswahrenden“ Ausstieg ermöglichen wollen.

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