Chronik | Wien
02.02.2018

Rotlicht: Tschetschenische Bande kassiert Schutzgelder

Kleine Studios im Visier, Geldforderungen der mafiösen Gruppierung wurden zuletzt erhöht.

Vor Monaten hatten das Bundeskriminalamt in Wien und Europol in Den Haag bereits via KURIER eindringlich vor dem Ausbreiten tschetschenischer Mafiagruppierungen in Österreich gewarnt. Diese Clans sind auf dem Weg dazu, so eingesessen zu werden wie die italienische Mafia, warnte Europas oberster Mafiajäger David Ellero in einem Interview. Im Bundeskriminalamt hieß es, dass ehemalige Rotlicht-Größen Stück für Stück die Führung übernehmen. Zuletzt wurde immer wieder ein entschiedeneres Handeln der Justiz gefordert.

Nach dem Glücksspiel scheinen die tschetschenischen Gruppierungen nun auch verstärkt das Rotlicht zu übernehmen. Wie aus Ermittlerkreisen zu hören ist, werden derzeit Personen ausgeschickt, um von kleineren Studios (nicht von großen Laufhäusern) Schutzgeld zu kassieren. Zunächst wurden kleinere Summen verlangt, in den vergangenen Wochen sei die Preisschraube aber plötzlich nach oben gedreht worden.

Alarmknopf gedrückt

Vorvergangene Woche gab es nun erstmals auch einen offiziell angezeigten Vorfall. Gegen 20.45 Uhr hatten unbekannte Personen versucht, 1000 Euro Schutzgeld in einem Studio in der Raaber-Bahn-Gasse in Favoriten zu kassieren – laut Zeugenaussagen handelte es sich eindeutig um Tschetschenen. Das Duo drohte, das Lokal zu verwüsten, wenn es kein Bargeld bekomme. Als ein 26-jähriger Angestellter den Alarmknopf betätigte, ergriffen die Männer rasch die Flucht. Das Landeskriminalamt Wien hat die Ermittlungen übernommen.

Die Polizei sucht nun weitere mögliche Opfer. Vertrauliche Hinweise nimmt der Journaldienst des Landeskriminalamts entgegen. Befürchtet wird, dass es sonst in Zukunft tatsächlich zu Lokalverwüstungen oder Gewalt kommen könnte.