Chronik | Wien
06.06.2018

Robert K. hält sich für geistig gesund

Der 16-jährige Verdächtige im Fall Hadish lehnt den Kontakt zu seiner Familie ab

Für Robert K. war klar: Die Chance, erwischt zu werden, war groß. Sorgen machte er sich dennoch kaum. Der 16-jährige Bursch mit tschetschenischen Wurzeln, der am 11. Mai im Dittes-Hof in Wien die siebenjährige Hadish ermordet haben soll, soll das Mädchen in schwarze Plastiksäcke gepackt und im Mistkübel entsorgt haben. Dann, so erklärte er, habe er die Dusche – den Tatort – gereinigt. Im Anschluss ging er spazieren.

Robert K. wirkte in den Einvernahmen abgeklärt. Er verweigerte einen Anwalt, selbst die Anwesenheit seiner Eltern lehnte er ab. Dass auf ihn eine lange Haftstrafe (Rahmen bis zu 15 Jahre, Anm.) zukommen könnte, beeindruckte ihn kaum. „Ich werde halt in nächster Zeit nicht so viele Leute sehen.“

Tiefer Spalt

Die Beziehung zu seinen Eltern zeigt tiefe Risse. „Es ist mir egal, ob mich meine Eltern besuchen kommen, oder nicht. Es ist einfach verschwendete Zeit“, sagte Robert zur Polizei. Auch das Angebot, dass sie ihm Kleidung oder persönliche Gegenstände bringen könnten, lehnte er ab. „Es ist unnötig, meine Eltern zu sehen. Ich habe ihnen nichts mehr zu sagen.“

Robert kam im Alter von zwei Jahren nach Österreich. Er spricht kein tschetschenisch. Vor etwa sieben Jahren änderten sämtliche Familienmitglieder ihre Namen – auf Initiative des Vaters. Mit den österreichisch klingenden Namen wollte dieser „unbeschwerter und unerkannter in Österreich leben.“

Die Mutter arbeitete als Schuhverkäuferin, der Vater veranstaltete Konzerte. Robert sollte in einem katholischen Döblinger Privatgymnasium die Matura machen. Doch er hatte Probleme, musste die fünfte Klasse wiederholen.

Er ist davon überzeugt, geistig völlig gesund zu sein. Er sei weder schizophren, noch höre er Stimmen, erklärte er. Doch in der Untersuchungshaft gilt er als höchst selbstmordgefährdet. Und er wurde (nach Drohungen) in eine Klinik nach Linz verlegt – was bei der Familie der kleinen Hadish für Kopfschütteln sorgt. „Man versucht, aus einem Täter ein Opfer zu machen. Die Beamten der Justizanstalt Josefstadt sind perfekt ausgebildet. Hier kann er 24 Stunden täglich überwacht werden“, sagt Anwalt Nikolaus Rast.

Den geistigen Zustand des verdächtigen Burschen prüft Gutachter Peter Hofmann. Er muss auch klären, ob der Verdächtige bei der Tat zurechnungsfähig war.

Als er den leblosen Körper von Hadish im gerissenen Plastiksack über die Stufen geschleppt haben soll, reagierte er geistesgegenwärtig. „Bring noch die andere Wäsche hinunter“, rief er zum Schein in die (leere) Wohnung. Ein entgegenkommender Mann schöpfte keinen Verdacht.