Richard-Lugner-Park: Warum die Ehrung auf Widerstand stößt

Die ÖVP will mit Unterstützung von SPÖ, FPÖ und Neos einen Park nach dem verstorbenen Baumeister benennen. Im Kulturausschuss zögert man.
Auf dem Grabstein von Richard Lugner stehen Grablichter, ein Gartenzwerg und ein Topf mit Pflanzen.

Im Justizpalast wird um Richard Lugners Erbe gestritten – die Lugner-Stiftung will, unterstützt von Lugners Tochter Jacqueline, dessen letzte Frau Simone aus der Villa in Döbling haben.

In Döbling selbst und im Rathaus wird darüber gestritten, ob es angebracht ist, dem im August 2024 verstorbenen Baumeister eine städtische Würdigung in Form einer Benennung einer öffentlichen Fläche zukommen zu lassen.

Die ÖVP in Döbling sagt ohne Umschweife "Ja" dazu. Mehr noch, die Partei von ÖVP-Bezirksvorsteher Daniel Resch hat den diesbezüglichen Antrag im Bezirk eingebracht. Eine Grünanlage, ein Abschnitt des Grinzinger Angers in der Nähe von Lugners Villa, um die gestritten wird, soll künftig Lugners Namen tragen.

Grüne und KPÖ dagegen

Nur die Grünen und die KPÖ haben im Bezirk dagegen gestimmt. Denn während die Benennung eines Fußweges entlang des Grinzinger Friedhofes in Helmut-Lohner-Weg ebenso wie jene des Unteren Schreiberweges nach Karlheinz Hackl laut Resch längst die Gremien durchlaufen hat, hängt Lugners Würdigung schon länger im Rathaus fest.

Ein Mann im Anzug präsentiert Eheringe in einer Schatulle vor Reportern.

Richard Lugner starb im August 2024

"Ein Beschluss zur Benennung einer Verkehrsfläche nach Richard Lugner liegt derzeit noch nicht vor, da der Vorschlag aktuell noch vom Unterausschuss für Verkehrsflächenbenennungen geprüft wird“, heißt es dazu aus dem Büro von Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler.

Weitere Informationen nötig

Denn es müssten weitere Informationen eingeholt werden. Welche genau, wurde nicht gesagt. Kolportiert wird allerdings, dass es sich dabei darum handelt, dass einerseits Lugners in der Öffentlichkeit nach außen getragenes Frauenbild die Entscheidungsträger und noch mehr Entscheidungsträgerinnen zögern lässt. Und auch Lugners homophobe Aussagen sollen nicht dazu beigetragen haben, den Antrag der ÖVP im Rathaus einfach durchzuwinken und die Ehrung für Lugner rasch zu beschließen.

Schon zuvor regte sich Kritik in Döbling. "Richard Lugner ist durchaus sehr bekannt, jedoch auch eine durchaus umstrittene Persönlichkeit", sagt Pepe Loibner, Klubobmann der Grünen Döbling.

Mit einer Benennung einer öffentlichen Fläche nach einer Person gehe eine gewisse Verehrung dieser Person einher, sagt er: "Um diese Argumente ausreichend abzuwiegen, und eventuell unter Einbezug von Expertinnen zu diskutieren, wollten wir diesen Antrag der Kommission für Kultur zuweisen." Weil dieser Zuweisung nicht stattgegeben wurde, "haben wir uns dazu entschieden, den Antrag abzulehnen.“

"Aufmerksamer Döblinger Bürger"

Bezirksvorsteher Resch hätte jedenfalls kein Problem mit einer Ehrung Lugners und betont auf die Frage nach dem Frauenbild: "Die Familie und Tochter Jacqueline Lugner sind auf mich zugekommen. Ich kenne Lugner als aufmerksamen Döblinger Bürger, der mich bei unseren Kontakten auch auf Kleinigkeiten hingewiesen hat, die ihm aufgefallen sind."

Das Privatleben des verstorbenen Baumeisters wolle er nicht beurteilen: "Lugner war ein weltbekannter Wiener und leidenschaftlicher Döblinger."

Inhaltlich wollte sich auch die zuständige Kulturstadträtin Kaup-Hasler nicht aus dem Fenster lehnen. "Die Kulturstadträtin stützt sich in diesem Prozess auf die Empfehlung des Unterausschusses sowie auf die fachliche Prüfung durch die MA 7“, schreibt ihr Büro.

Mit einer Entscheidung sei aber nach aktuellem Stand voraussichtlich noch vor dem Sommer zu rechnen. Womit Döbling übrigens auch nicht ganz auf Linie mit der Kulturstadträtin ist: Aktuell sollen nämlich mit Lugner, Hackl und Lohner gleich drei Männer neu im Stadtbild sichtbar gemacht werden, allerdings aktuell keine Frau.

Drei Männer für Döbling

2013 wurde im Gemeinderat beschlossen, künftig forciert Verkehrsflächen nach Frauen zu benennen. Zum Teil ist das auch gelungen, der Männerüberhang ist allerdings immer noch enorm. Im letzten Gleichstellungsmonitor, der 2021 erschienen ist und aktuell neu überarbeitet wird, steht: "In der Namensgebung von Wiener Stadtraum und Verkehrsflächen sind Frauen und Männer sehr ungleich repräsentiert.“

Leichte Steigerung

Was auch die Zahlen in Wien belegen. 2019 trugen nur 10 Prozent aller nach Personen benannten Straßen den Namen von Frauen. 2015 waren 4.620 Straßen nach Personen benannt, und unter diesen finden sich lediglich 429 Straßen, für die Frauen namensgebend sind. Demnach wurde zumindest eine leichte Steigerung des Anteils verzeichnet.

Dazu heißt es aus dem Büro von Kulturstadträtin Kaup-Hasler: "Unabhängig vom konkreten Fall wird grundsätzlich angestrebt, verstärkt Frauen bei Benennungen zu berücksichtigen, um ihre Sichtbarkeit im Stadtbild zu erhöhen.“ Und in dem Zusammenhang wird versichert, dass "jede Benennung im Einzelfall auch kritisch im Hinblick auf das öffentliche Wirken der jeweiligen Person geprüft“ werde.

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