Die versteckte Arbeit hinter den Meisterwerken
Burgstaller-Rogers bearbeitet hier „Die Ausrufung der Republik“ von Max Frey.
Ein konzentrierter Blick und eine Hand, die sich nur Millimeter für Millimeter bewegt. Im Restaurierungsatelier des Heeresgeschichtlichen Museums in Wien (HGM) zählt vor allem eines – Geduld. Vor der diplomierten Gemälderestauratorin Doris Burgstaller-Rogers liegt kein gewöhnliches Bild. Jede Farbschicht, jeder Riss in der Malschicht und vorangegangene Eingriffe erzählen eine Geschichte, die es zu bewahren gilt.
Seit 24 Jahren restauriert sie Gemälde im HGM. Der Weg in diesen Beruf begann für Burgstaller-Rogers durch ein Praktikum bei einer Gemälderestauratorin. „Dann habe ich mich entschieden, Restaurierung und Konservierung an der Akademie der Bildenden Künste in Wien zu studieren“, erzählt sie. Das Studium umfasst mehrere Bereiche. Sie entschied sich für Gemälderestaurierung – ein Fachgebiet, das Kunstgeschichte, Naturwissenschaft und präzises Handwerk verbindet.
Erhalten statt erneuern
Welche Kunstwerke sie restauriert, ist oft situationsbedingt, ob es zum Beispiel für eine Ausstellung benötigt wird. Manchmal entdeckt sie aber auch Schäden im Depot. „Der erste Schritt ist dann die Voruntersuchung“, sagt die Gemälderestauratorin. Sie untersucht das Werk nach Materialeigenschaften, Malschichtaufbau, Schäden und chemischen Veränderungen.
Erst danach entscheidet sie, welche Maßnahmen notwendig sind. Mit Hilfsmitteln wie Pinseln, Spritzen, Klebemedien und unterschiedlichen Lösemittelmischungen werden die Schäden behoben. Bei größeren Exponaten kann das mehrere Wochen oder Monate dauern.
Mit Werkzeugen wie Spritzen klebt die Restauratorin Risse in der Malschicht des Gemäldes.
Heute bedeutet Restaurierung aber nicht mehr, ein Gemälde wieder wie neu aussehen zu lassen, sondern es in einem gepflegt gealterten Zustand zu erhalten. „Unser Grundsatz ist immer: so viel wie nötig, aber so wenig wie möglich“, sagt Burgstaller-Rogers.
Bleibt ein Werk im Depot, geht es um seinen Erhalt. Soll es ausgestellt werden, muss seine Lesbarkeit verbessert werden. Fehlstellen werden dabei nur so weit ergänzt, dass sie den Gesamteindruck nicht stören. „Das fachkundige Auge könnte die Fehlstelle aber erkennen“, erklärt sie.
Ein weiterer Grundsatz lautet Reversibilität. Jede Restaurierung muss sich später wieder rückgängig machen lassen. Deshalb verwendet Burgstaller-Rogers bewusst Materialien, deren Alterungsverhalten bekannt ist. „Ich möchte keine Materialien ins Objekt einbringen, bei denen ich nicht weiß, wie sie sich in 100 oder 200 Jahren verhalten.“ Häufig kommen deshalb traditionelle Materialien wie tierische Leime oder Harze zum Einsatz.
Besonders anspruchsvoll sind Gemälde, die bereits mehrfach restauriert wurden. Frühere Eingriffe können neue Maßnahmen erschweren. Im HGM profitiert Burgstaller-Rogers davon, dass Restaurierungen früherer Generationen sorgfältig dokumentiert wurden.
Präventive Konservierung
Neben Restaurierungen betreut sie die gesamte Gemäldesammlung. Ein großer Teil ihrer Arbeit besteht deshalb aus präventiver Konservierung: Sie kontrolliert Klimawerte und Lichtverhältnisse in Ausstellungsräumen und Depots und sorgt für regelmäßige Pflegemaßnahmen. „Durch die Besucherströme gibt es ein großes Staubaufkommen im Museum, und Staub lagert sich auf den Kunstwerken ab.“
Das Atelier befindet sich am Gelände des Museums.
Wer mit dem Gedanken spiele, Restaurator zu werden, sollte den Berufsalltag vorab kennenlernen, rät Burgstaller-Rogers. Ein Vorpraktikum sei unverzichtbar. „Man muss zum Beispiel sehen, ob man die Geduld und Konzentration hat, stundenlang vor dem Mikroskop zu sitzen.“
Für die Zukunft der Gemälderestaurierung sieht sie auch Künstliche Intelligenz eine Rolle spielen. Sie könne etwa dabei helfen, zu visualisieren, wie ein stark beschädigtes Gemälde ursprünglich ausgesehen haben könnte. Die Entscheidung über Restaurierungsmaßnahmen müsse aber immer der Mensch treffen. Denn jedes Gemälde sei durch seine Materialeigenschaften, seine Schäden und seine Restauriergeschichte individuell. „ Die Durchführung wird immer die einfühlsame Hand eines Restaurators benötigen.“
Das Heeresgeschichtliche Museum befindet sich im 3. Bezirk am Gelände des Arsenals. Es beherbergt rund 4.000 Gemälde, um die sich die Restauratorin Doris Burgstaller-Rogers kümmert.
Sie war auch beteiligt an der neuen Ausstellung. Seit rund einem Monat gibt es die Ausstellung „Gewalt – Gesellschaft. Österreich im Zeitalter der Weltkriege 1918 bis 1955“. Bei der Zusammenstellung wurden 17 Werke aus dem Depot genommen. Fünf Monate können Besucher die Ausstellung Besuchen.
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