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Restauration im Stephansdom: Wie das Riesentor seine Farbe verlor

Nach 30 Jahren sind wieder Restaurationsmaßnahmen am Riesentor des Stephansdoms notwendig. Ende Juni werden die Ergebnisse detailreicher Untersuchungen des romanischen Bauwerks diskutiert.
Rekonstruktion romanische Farbfassung

Kaum jemand geht so oft in den Stephansdom wie der (Noch-)Dompfarrer Toni Faber.  Das Riesentor, also der Haupteingang in den Dom, ist derzeit zum Leidwesen vieler Besucherinnen und Besucher von einem Gerüst verhüllt.  „Das letzte Mal war es eingerüstet, als ich vor 30 Jahren  Dompfarrer geworden bin“, erinnert sich Faber  an seine Anfänge in der Pfarre im Herzen der Stadt.

30 Jahre liegen seit der letzten umfassenden Restaurierung des Haupteingangs des Wiener Stephansdoms zurück, bestätigt auch das Bundesdenkmalamt. Zehn Jahre nach der umfassenden Sanierung wurde eine Wartung durchgeführt, bei der sämtliche Oberflächen trockengereinigt und hinsichtlich ihres Zustands evaluiert wurden. Dabei zeigte sich erstmals Nachbesserungsbedarf bei einzelnen Schutzmaßnahmen. 

Neue Bewertung

Vor zwei Jahren wurde in Zusammenarbeit zwischen dem Bundesdenkmalamt, der Dombauhütte und dem Landeskonservatorat Wien  eine neuerliche Zustandsbewertung des Riesentores in die Wege geleitet.  Dabei hat sich gezeigt, dass neuerlich Schutzmaßnahmen getroffen werden müssen. „Es   wurden am Stein Ausblühungen gefunden, die die Salze im Stein  zeigen.  Auch die Salzstreuung am Stephansplatz tut dem Dom nicht gut.“

Zwei Personen untersuchen ein kunstvoll verziertes gotisches Steinportal auf einem Gerüst.

Die Restauratorinnen Susanne Leiner und Anna Tupy.

Heuer wurden bereits erste Maßnahmen zum Schutz des Riesentors umgesetzt. Im Fokus stehen die Reduktion von Feuchtigkeits- und Salzschäden im Sockelbereich sowie zusätzliche Schutzmaßnahmen für ein besonders witterungsanfälliges ornamentales Gesims, um die romanische Originalsubstanz langfristig zu erhalten. Ziel der Untersuchungen ist die Entwicklung eines Maßnahmenkonzepts für den langfristigen Erhalt des romanischen Portals. 

Das betont auch Dombaumeister Wolfgang Zehetner:  „Das Riesentor ist weit mehr als ein historisches Bauwerk – es bildet seit Jahrhunderten den spirituellen und architektonischen Eingang des Stephansdoms. Umso größer ist unsere Verantwortung, die wertvolle romanische Originalsubstanz zu bewahren. Die aktuellen Untersuchungen zeigen, wie wichtig eine kontinuierliche wissenschaftliche Begleitung ist, um ihren Erhalt zu sichern.“
Aus den  Restaurierungsarbeiten vor 30 Jahren haben Forscherinnen und Forscher die Erkenntnis gewonnen, dass das Riesentor wie viele romanische Bauwerke  farbenprächtig gestaltet war. Im Laufe der Jahrhunderte gingen diese Fassungen durch Verwitterung und veränderte Gestaltungsauffassungen  häufig verloren.

Versteckte Farbe

Unter den Schmutz- und Krustenauflagen wurden zahlreiche Reste der ursprünglichen Farbfassung nachgewiesen. Die wurden eingehend untersucht, dokumentiert und ausgewertet. Die Geschichte der Restaurierungen, aktuelle Untersuchungsergebnisse sowie  geplante Maßnahmen werden bei einem Fachgespräch vorgestellt. Internationale Expertinnen und Experten präsentieren dabei vergleichbare Projekte und diskutieren aktuelle Fragen der Konservierung und Denkmalpflege im Umgang mit mittelalterlichem Kulturerbe.

Die aktuellen Arbeiten werden jedenfalls  nur wenige Montage in Anspruch nehmen.  Und wer, wenn nicht der Dompfarrer, könnte ein besseres Resümee über die Arbeiten ziehen: „Wir sind sehr froh, dass es wieder ein schönes Tor wird – für alle, die den Stephansdom besuchen wollen.“

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