Video zeigt "geheimes" Detail am Südturm des Stephansdoms

Blick auf den Wiener Stephansdom bei blauem Himmel
Ein virales TikTok-Video macht auf ein wenig bekanntes Detail am Südturm des Wiener Stephandoms aufmerksam.

"Ich lebe seit 27 Jahren in Wien und wusste das nicht", schreibt ein Nutzer unter einem TikTok-Video, welches ein Detail am Wiener Stephansdom zeigt, das vielen bisher verborgen geblieben war: An dem rund 136 Meter hohen Südturm steckt eine Kanonenkugel im Mauerwerk, darunter ist die Jahreszahl 1683 in Stein gemeißelt.

Kanonenkugel im Südturm eingemauert

Hat man das Detail einmal mit bloßem Auge entdeckt, lässt es sich kaum mehr übersehen. Das historische Artefakt erinnert symbolisch an die Zweite Wiener Osmanenbelagerung, auch Zweite Türkenbelagerung genannt. Ziele der Angriffe waren zwar fast ausschließlich Stadtmauern, Bastionen und Tore, doch hält sich bis heute der Mythos, der Stephansdom sei von 1.000 Kanonenkugeln getroffen worden.

Osmanische Belagerungen

Laut der Stadt Wien überstand der Dom beide osmanischen Belagerungen von 1529 und 1683. Während der zweiten Belagerung wurde jedoch insbesondere das Dach von Kanonenkugeln beschädigt. Die Löcher wurden mit Zeltplanen abgedeckt, "um dem Feind vorzutäuschen, dass es noch genügend materielle Reserven in der Stadt gäbe", heißt es in der historischen Online-Enzyklopädie.  

Die im Südturm eingelassene Kanonenkugel, auch Türkenkugel genannt, wurde später dort platziert. Sie dient als historisches Erinnerungsstück, markiert aber keinen tatsächlichen Einschlag genau an dieser Stelle. 

Stephansdom mit Südturm und vielen Menschen auf dem Platz davor bei bewölktem Himmel.

An dieser Stelle befindet sich die eingemauerte Kanonenkugel.

Türkenkugeln in Wien als stille Zeitzeugen

Doch nicht nur am Stephansdom ist eine Türkenkugel eingemauert. Über die ganze Stadt verstreut finden sich solche Kanonenkugeln als stille Zeugen der Geschichte. Der Steinbrocken an der Fassade des Hauses in der Sterngasse Nr. 3 markiert die größte erhaltene Kanonenkugel von 1683. Auch im Inneren des traditionsreichen Restaurant Griechenbeisl in der Griechengasse 11 sind drei Türkenkugeln zu entdecken, welche aus der ersten Türkenbelagerung stammen sollen.

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