Chronik | Wien
20.04.2017

Die Wiener SPÖ will zur Mitmach-Partei werden

Beim einjährigen "Speed-Dating" sollen Interessierte die Partei näher kennenlernen.

Die Tage der Wiener SPÖ als Massenbewegung sind längst gezählt. In ihren besten Zeiten hatte sie an die 300.000 Mitglieder, heute sind es nur noch 45.000.

Im Zuge ihrer Parteireform gehen die Stadtroten jetzt neue Wege, um Interessierten die Mitarbeit in der Partei schmackhaft zu machen. Im Mai startet sie eine "Welcome-Sektion" – eine Art Schnupperkurs für neue SPÖ-Mitglieder und Gast-Mitglieder, die ihren Platz in der Partei erst finden müssen. Im Rahmen eines einjährigen "Speed-Datings" (so die SPÖ-interne Bezeichnung) haben die Neuen die Möglichkeit, alle Aktivitätsfelder der Partei – von den Naturfreunden über die Bezirks- bis zu den Frauenorganisationen – kennenzulernen, um den für sie interessantesten Bereich zu finden.

Kamingespräche, Exkursionen, Workshops

Dieses Kennenlernen der Partei soll in ungezwungener Atmosphäre erfolgen – etwa bei monatlichen Kamingesprächen, Exkursionen oder Workshops. "Da ist bestimmt für jeden etwas dabei", ist Landesparteisekretärin Sybille Straubinger überzeugt.

Weiters schafft die SPÖ zwei Themeninitiativen, die eine Plattform für Diskurs und Austausch bieten sollen. Jener zum Bereich "Vielfalt" wird sich mit Fragen der Integration und des Zusammenlebens beschäftigten.

In einem zweiten Schwerpunkt geht es um Europa – etwa um das Thema Brexit oder die Wahlen in anderen EU-Staaten.

Partei verschlanken

Angesichts der geschrumpften Mitgliederzahlen will man aber auch die Parteistrukturen reformieren: "Sie sind auf drei Mal so viele Mitglieder ausgerichtet. Das ist ineffizient", sagt Parteichef Michael Häupl und kündigt eine Verschlankung der Organisation an.

Wie diese Abspeck-Kur genau aussehen wird, werde derzeit noch diskutiert. Häupl schließt jedenfalls die Schließung einzelner Sektionslokale in den Bezirken nicht aus: "Wir haben nichts von Sektionen in Hinterzimmern, von denen kein Mensch weiß, wo sie sich überhaupt befinden", betont der Bürgermeister. "Wichtig sind hingegen diskussionsfreudige Sektionen, die man auch wahrnimmt."