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Social Media
11/05/2015

Rechtsanwälte im Spagat zwischen Privat und Job

Aufregung um Urlaubsbild von Astrid Wagner, dabei geben immer mehr Anwälte auf Facebook private Einblicke.

von Raffaela Lindorfer

Ein nackter Rücken kann entzücken", sagt Michael Enzinger, Präsident der Rechtsanwaltskammer. Er ist nicht auf Facebook, sonst wäre ihm das Urlaubsbild von Strafverteidigerin Astrid Wagner, das derzeit für Schlagzeilen sorgt, vielleicht sogar ein "Gefällt mir" wert.

Ein anderer Kollege sah in dem Foto, das die 52-Jährige nach ihrem Kroatien-Urlaub gepostet hatte, offenbar einen Schaden für das "Ansehen des Berufsstandes" und zeigte sie bei der Kammer an. Dort wird jetzt geprüft, ob ein Disziplinarverfahren eingeleitet wird.

Provokation

Zum laufenden Verfahren geben weder Enzinger, noch die Betroffene eine Stellungnahme ab. Insider gehen davon aus, dass sie keine Strafe bekommt, sondern im Gegenteil sogar von der medialen Aufmerksamkeit profitiert.

Auf ihrer Facebook-Seite postet Astrid Wagner meistens Tier-Schicksale und rührt die Werbetrommel für ihr neues Buch. Für ihr Urlaubsbild bekam die Anwältin und Autorin bis Mittwoch 955 Likes und viele Kommentare. Die Provokation war zum Teil beabsichtigt, gibt sie im KURIER-Gespräch zu: "Ich wollte sehen, was da kommt. Mich ärgert die Prüderie mancher Leute. Wäre ich ein Mann, würde sich niemand aufregen." Dass die 52-Jährige gerne mit ihrer Weiblichkeit spielt, beweist auch ihr Auftritt in einer TV-Reportage im Sommer.
Sie ließ sich im Badezimmer beim Schminken interviewen, trug dabei nur ein Badetuch, und zitierte das Sprichwort: "Ein guter Anwalt kennt das Gesetz, aber der bessere kennt den Richter." Gerüchten zufolge wurde deswegen bereits ein Disziplinarverfahren eingeleitet. Die internen Ermittlungen werden aber auch in diesem Fall von der Kammer nicht kommentiert. Wagner sagt, sie wisse davon nichts.

Nackt und betrunken

Wagner hat mit dem Urlaubsbild eine Debatte ausgelöst: Wie menschlich, darf sich ein Rechtsanwalt in sozialen Netzwerken zeigen? Grundsätzlich sei das seine Privatsache, betont Kammerpräsident Enzinger. Er rät aber zur Vorsicht: "Das Anwalt-Sein kann man nicht an der Kanzleitür abgeben." Der Berufsstand genieße ein großes Vertrauen in der Bevölkerung. Das müsse man sich auch im Privatleben vergegenwärtigen. Nicht tolerierbar seien strafbare Handlungen, Trunkenheit und explizite Nacktheit. Immer mehr Rechtsanwälte nutzen Facebook – wobei die Grenzen zwischen privaten und beruflichen Interessen naturgemäß verschwimmen.

"Menschlich zeigen"

Philipp Wolm würde kein Badehosen-Foto von sich auf Facebook posten. Und selbst wenn, würde es niemand finden. Der junge Strafverteidiger tritt im sozialen Netzwerk anonymisiert auf. "Das Profil ist rein privat und soll es auch bleiben", sagt er. Für die Kanzlei, die er gemeinsam mit Lukas Kollmann betreibt, ist eine Firmen-Seite geplant. "Bei einer jungen Kanzlei wie unserer gehört Social Media einfach dazu."

So hat Werner Tomanek sein Facebook-Profil angelegt, "um gefunden zu werden", erklärt der Strafverteidiger, der 4750 Freunde hat: "Das junge Klientel kennt offenbar kein Telefon mehr. Ich werde oft auf Facebook kontaktiert, ob ich einen Fall übernehmen möchte." Privat postet der Rapid-Enthusiast fast ausschließlich zu den Themen Fußball und Hunde.

Timo Gerersdorfer hat neben seiner professionellen "Gerersdorfer Rechtsanwalt"-Seite auch ein privates Profil und keine Scheu, dort seine Urlaubsfotos zu posten: "Ich denke, man muss als Anwalt heute nicht mehr nur streng und seriös sein. Ich denke, es ist ganz sympathisch, wenn man sich auch von seiner menschlichen Seite zeigt."

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