Chronik | Wien
19.07.2018

Rauchfreie Spitäler bleiben Illusion

Patientenanwältin kritisiert „Schlendrian“. Ausnahmen für bestimmte Patienten seien aber nötig

Offiziell sind die öffentlichen Spitäler in Wien rauchfreie Zonen. Umso verwunderlicher ist es, dass man es gerade hier mit dem Nichtraucherschutz nicht allzu genau nimmt. Nach wie vor gibt es Raucherzonen, Patienten und Mitarbeiter pofeln vor den Eingängen oder im Stiegenhaus, zum Teil darf sogar in spitalsinternen Gastro-Betrieben gequalmt werden. Und nach wie vor (etwa im AKH) gibt es in Spitälern Tabak-Trafiken.

Das ruft die Wiener Patientenanwaltschaft auf den Plan. In ihrem aktuellen Jahresbericht kritisiert sie den mangelnden Nichtraucherschutz in den Wiener Spitälern. „Bei dessen Einhaltung herrscht der typische österreichische Schlendrian“, stellt Patientenanwältin Sigrid Pilz fest. Bei ihr landete im Vorjahr eine Beschwerde eines Rettungssanitäters. Demnach würden in vielen Spitälern die Eingänge und Rettungszufahrten als Raucherecke missbraucht. Sanitäter und die von ihnen transportierten Patienten seien somit Passivrauch ausgesetzt.

„Man müsste in den Spitälern eine eigene Task Force einsetzen, um das Rauchverbot konsequent umzusetzen“, fordert Pilz. Dazu würden Schulungen des Personals gehören, wo ihnen beigebracht wird, die Patienten höflich aber klar auf die Einhaltung des Rauchverbots hinzuweisen. Wobei dies für das Personal genauso zu gelten habe. Diesem sollten auch Entwöhnungsprogramme angeboten werden.

Ausnahmen

Geht es nach Pilz, sollten die Spitäler im Idealfall absolut rauchfrei sein. In der Praxis werde es aber wohl Ausnahmen geben müssen. „Langzeit-Patienten in der Psychiatrie etwa wird man das Rauchen nur schwer verbieten können“, sagt die Patientenanwältin. Ebenso sei es hoffnungslos Kranken (etwa Patienten auf Palliativstationen) nur schwer zuzumuten, auf ihre Zigarette zu verzichten. „Auf solchen Stationen sollten abgetrennte Raucherbereiche bestehen bleiben, die nur dortigen Patienten zur Verfügung stehen.“

Ansonsten sollten die Spitäler rauchfrei bleiben, abgesehen von überdachten, gekennzeichneten Zonen im Freigelände, wo keine anderen Personen vom Rauch gestört werden. Als Vorbild für Wien nennt Pilz das LKH Graz.

„Um zu vermeiden, dass trotz des Rauchverbots in Patientenzimmern, Gängen etc. geraucht wird, kann ein Spital Zonen definieren, in denen das Rauchen gestattet ist. Dementsprechend gibt es in manchen Häusern Raucherkabinen oder Raucherzonen im Freien“, sagt ein Sprecher des Wiener Krankenanstaltenverbunds (KAV), des größten Spitalsträgers der Bundeshauptstadt.

Bei einer Häufung von Beschwerden würden Raucherzonen örtlich verlagert. „Die Dienstaufsicht ist für die Einhaltung des Rauchverbots bei Mitarbeitern zuständig“, betont der KAV-Sprecher. „Es gibt regelmäßige Informationen dazu, zudem werden Folder aufgelegt. Generell wird auf die Einhaltung des Rauchverbots geachtet.“