Ratten und Tauben: Kulturfolger, die Folgen einer Unkultur?
Es gibt in Wien gar nicht so viele Berge, wie es Gipfel gibt. Einen Sicherheitsgipfel, einen Drogengipfel – und jetzt einen Ratten-Gipfel. Dabei treffen sich nicht etwa die städtischen Ratten am Donaukanal. (Das tun sie schließlich sowieso.) Sondern die zuständigen Dienststellen der Stadt kommen zusammen, um über das Thema Ratten zu konferieren. Gefordert hat die Krisensitzung die Bezirksvorstehung Floridsdorf. Rund um den Leopoldauer Platz gebe es nämlich eine Rattenplage, weil eine „zu tierliebende Person“ die Tiere „exzessiv“ füttere, der KURIER hat berichtet.
Neu ist das Problem freilich nicht. Immer wieder kocht das Thema Ratten- (und auch Tauben-) Plage hoch. Die Fronten zwischen jenen, die die Tiere am liebsten – verzeihen Sie den Ausdruck – liquidieren und jenen, die die Tiere schützen wollen, sind verhärtet.
Wir, die erweiterte Familie
Fakt ist aber: Die Tiere sind Kulturfolger. Sie profitieren von menschlichen Siedlungen und haben sich an die vom Menschen geschaffenen Lebensbedingungen angepasst. Wir sind ihre Grundlage, ihre erweiterte Familie. Wir sorgen für sie.
Und das anscheinend richtig gut. Wir bieten ihnen die besten Voraussetzungen, geben ihnen alles, was sie brauchen. Offene Mistkübel, weggeworfene Lebensmittelverpackungen, Schmutz und Unrat. Würde der Mensch sich kultivierter verhalten (und nicht nur darauf vertrauen, dass die MA48 den Dreck schon beseitigt), würden vielleicht weniger Ratten und Tauben unserer Kultur folgen.
Denn die Regeln sind eigentlich klar: Laut Wiener Reinhaltegesetz ist es verboten, Müll auf der Straße zu entsorgen, auch Futter darf auf öffentlichen Plätzen nicht ausgebracht werden. Natürlich, kleine Nachschärfungen wären sinnvoll (etwa geschlossene Müllkübel, stärkere Kontrollen durch die Waste Watcher und vielleicht sogar Taubenschläge). Aber eigentlich müsste man sich nur an die bestehenden Regeln halten. Stattdessen wird wieder einmal nur geredet. Das ist ja wohl der Gipfel.
Kommentare