Chronik | Wien
30.05.2017

Rätselraten um vermeintlichen Räuber und angeblichen YouTube-Star

Die Wiener Polizei musste am Dienstag bereits veröffentliche Fahndungsfotos zurückziehen. Das sorgt für Kritik.

Die Geschichte eines 16-jährigen Mädchens aus Wien stellt die Polizei vor ein Rätsel.

Im Dezember sollen sich das Mädchen (16) und ein Bursche auf Facebook kennengelernt und sich für ein Treffen am Tag vor Weihnachten verabredetet haben. Als Treffpunkt wurde der Skaterpark in der Carlbergergasse in Wien-Liesing ausgewählt. Schon bei der U6-Station Erlaaer Straße sollen sich die beiden getroffen haben und laut Aussagen des Mädchens bis zum Park spaziert sein. Dort soll der Bursche dann das Mädchen attackiert haben – das zumindest sagte die 16-Jährige bei der Polizei aus. Der Bursche soll sie geschlagen, gewürgt, ihr unter das T-Shirt gegriffen und ihr das Handy geraubt haben. Dann soll sie der Junge auf die Knie gezwungen, mit einem Messer bedroht, seine Hose geöffnet und sein Opfer zum Oralverkehr aufgefordert haben. Doch die 16-Jährige habe sich losgerissen und rief die Polizei.

Dort identifizierte sie auch den vermeintlichen Täter. Der junge Mann hatte sich auf Facebook und WhatsApp als "Thomas Schlag" ausgegeben. Die Polizei ging zwar von einem falschen Profil aus, fahndete allerdings mit dessen Profil-Fotos nach dem Burschen. Doch auch die stellten sich als falsch heraus: Die Fotos zeigen den US-amerikanischen YouTuber Sam Albert. Das erfuhr die Polizei durch Hinweise, die nach Veröffentlichung der Fahndungsfotos am Dienstag eingingen.

Doch auch die Identität des YouTubers ist nicht geklärt. Denn es gibt zahlreiche Accounts, wie der KURIER recherchierte - auf Facebook, Twitter, YouTube – die Sam Albert im Namen tragen. Allerdings hat keiner von ihnen eine nennenswerte Follower-Anzahl. Die meisten Accounts waren zuletzt vor einigen Jahren aktiv. Außerdem tritt ein Bursche mit dem Namen Austin James mit denselben Profilfotos in Erscheinung.

Die Medienanwältin Maria Windhager übt nun scharfe Kritik an der Wiener Polizei. "Der Wiener Polizei ist hier ein grober Schnitzer passiert." Ein Fahndungsfoto, das noch dazu ausschließlich auf Anordnung der Staatsanwaltschaft veröffentlicht werden darf, "ist ja nichts alltägliches. Die Polizei hätte es überprüfen müssen", sagt Windhager. Dazu hätte etwa einfach die Bildersuchmaschine von Google ausgereicht. "Der Polizei mangelt es offensichtlich im Umgang mit Social Media. Fake Profile sind ja nichts Neues. Die Polizei muss schon die Frage stellen: Woher kommt dieses Foto? Wer hat die Rechte daran?", sagt Windhager.

Die Polizei ermittelt jedenfalls weiter. "Es steht ja eine Straftat im Raum", sagt Polizeisprecher Thomas Keiblinger. Die 16-Jährige wird jetzt erneut von der Polizei zu dem Fall befragt. Es müsse auch geklärt werden, ob die Geschichte, die die 16-Jährige erzählt hat, überhaupt stimmt.