Gemeindewohnungen: Wer kein Klo hat, kriegt 50 Punkte
Wien hat die Vergabe von Gemeindewohnungen und geförderten Wohnungen auf neue Beine gestellt.
Wer zu welchem Zeitpunkt eine Gemeindebauwohnung erhält, war in Wien bisher oft nur schwer zu sagen. Der fixe Kriterienkatalog war kompliziert und für viele schwer durchschaubar – weshalb er jetzt abgeschafft wird.
Ersetzt wird er durch ein Bonuspunkte-System, das die Vergabe von Gemeindewohnungen und geförderten Wohnungen neu regelt. Die entsprechenden Werte wurden nun von der Stadt veröffentlicht. Ziel des Ganzen soll sein, soziale Bedürfnisse stärker in den Fokus zu rücken und Personen zu erreichen, die einen größeren Unterstützungsbedarf haben.
Ein „Wohn-Ticket“ genügt
Beschlossen wurde die rechtliche Grundlage für die „Wohnungsvergabe NEU“ im Landtag Ende Juni. Mit dem neuen System erfolgt auch die Zusammenführung der Vergabe von Unterkünften im Gemeindebau und im geförderten Segment. Zukünftig genügt ein einziges „Wohn-Ticket“, um sich für eine dieser Wohnformen vormerken zu lassen. Ab 14. Juli wird die Vorab-Registrierung möglich sein, am 22. September startet die neue Form der Wohnungsvergabe dann auch offiziell.
Gleichzeitig gilt eine Übergangsphase: Besitzerinnen und Besitzer eines bestehenden Wiener Wohn-Tickets können noch bis Herbst wie gewohnt nach Gemeindewohnungen und geförderten Wohnungen suchen. Danach erfolgt die Vergabe ausschließlich über das neue System.
In der Grafik sind die Werte der Bonus-Liste abzulesen.
Offiziell bekannt gegeben wurden dafür nun auch die Werte der Bonus-Liste (siehe Grafik). Diese darin festgeschriebenen Bonuspunkte bestimmen die Reihung im Vergabeverfahren. Am wenigsten – nämlich 20 – Punkte erhält man, wenn man eine Aus- oder Weiterbildung absolviert. Am meisten (100 Punkte) erhalten Menschen mit Mobilitätseinschränkungen, Pflegebedürftige oder Personen, die von häuslicher Gewalt betroffen sind.
Der Wien-Bonus bleibt übrigens bestehen. Sprich: Wer seinen Hauptwohnsitz seit mindestens sechs Jahren in Wien hat, erhält 45 Punkte. Die Punktewerte wurden gemeinsam mit Expertinnen und Experten entwickelt, hieß es in einer Aussendung der Stadt Wien. Das System solle „die unterschiedlichen Lebenssituationen der Wohnungssuchenden berücksichtigen.
Wer mehr Unterstützung benötigt, erhält auch mehr Punkte.“ Die Bonuspunkte werden mit entsprechenden Nachweisen errechnet und bestimmen dann die Reihung bei der Vergabe der Wohnungen.
„Flexibles Modell“
„Die Wohnungsvergabe NEU sorgt dafür, dass leistbarer Wohnraum künftig noch gezielter dort ankommt, wo er am dringendsten gebraucht wird“, wurde Wohnbaustadträtin Elke Hanel-Torsch (SPÖ) in der Aussendung zitiert. Neos-Klubobfrau Selma Arapovic ergänzt: „Das neue Bonuspunktesystem orientiert sich eng an den realen Lebensumständen der Wienerinnen und Wiener bei der Wohnungsvergabe.“ Durch die Kombination von Kriterien werde ein transparentes und flexibles Modell geschaffen.
Kritik – und etwas Lob – gab es von der Opposition. Die FPÖ etwa bemängelte, dass nicht nur österreichische Staatsangehörige Zugang zu einer Gemeindebauwohnung haben und dass die geförderte Bauleistung derzeit nicht ausreiche. Die Grünen befürworten das Modell prinzipiell, sprechen sich aber für stärkere Kontrollen aus, um regelmäßig nachzuprüfen, ob bei den Mietern weiterhin dringender Wohnbedarf besteht. Dass Deutschkenntnisse nicht als Voraussetzung für einen Gemeindebau gelten, kritisiert die ÖVP.
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