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Neunerhaus Gesundheitszentrum: „Ein Sommerloch kennen wir nicht“

Medizinische Hilfe, Beratung und Abkühlung für Nicht-Versicherte und Obdachlose.
Menschen sitzen vor dem Café Neunerhaus auf einer Terrasse unter einem Sonnensegel, während andere vor dem Eingang warten.

Schon vor der Öffnung des Neunerhaus Gesundheitszentrums um 8.45 Uhr bildet sich eine lange Schlange vor dem Eingang. Viele Wartende hoffen auf medizinische Hilfe.„Oftmals kommen mehr Leute, als wir aufnehmen können“, sagt Lisa Steiner, Leiterin der Abteilung Pflege und Sozialarbeit. Rund 100 Patienten werden hier täglich versorgt. 

Im Neunerhaus in Margareten können obdachlose und nicht versicherte Menschen kostenlos, bei Bedarf anonym, medizinische und sozialarbeiterische Betreuung in Anspruch nehmen. In den letzten Wochen ist die Patientenanzahl gestiegen. Grund könnte laut dem Gesundheitszentrum die anhaltende Hitzewelle sein. Einen hohen Andrang sei man laut Steiner jedoch zu jeder Jahreszeit gewohnt, ein Sommerloch kenne man nicht.

Aufklärung wichtig

„Wir versuchen, die Leute zu beraten, was bei großer Hitze zu tun ist“, erklärt Steiner. Im Zentrum geht es dabei nicht nur um ausreichend Flüssigkeit oder Sonnenschutz. Ärztliche Aufklärung spielt eine wichtige Rolle. „Natürlich verschlechtern sich sehr viele Erkrankungen bei Hitze“, sagt der ärztliche Leiter Stephan Leick. „Neurologische Erkrankungen, aber auch Kreislauferkrankungen verschlechtern sich bei hohen Temperaturen.“ 

Zusätzlich können sich laut Leick auch Medikamentenwirkungen verändern. Denn für Menschen, die auf der Straße leben, sei  die Lagerung von Arzneimitteln problematisch. „Viele Medikamente müssen gekühlt gelagert werden. Wer sie ständig bei sich tragen muss, riskiert, dass sie nicht mehr so wirken, wie sie sollten.“ In Patientengesprächen soll laut Leick darüber aufgeklärt werden. 

Das Neunerhaus verfügt zwar über einen kleinen Medikamentenvorrat, ist aber keine Apotheke und hat nicht solch einen Vorrat. Nicht versicherte Patienten werden mit Rezepten an die Österreichische Medikamentenhilfe des Roten Kreuzes weitervermittelt. Auch mit anderen Einrichtungen wie dem Louisebus der Caritas wird zusammengearbeitet. „Das gemeinsame Ziel ist, nicht versicherte Personen gut zu versorgen“, betont Steiner. 

Besonders schwierig ist die Situation in den Sommermonaten, wenn das Winterpaket der Wiener Wohnungslosenhilfe ausgelaufen ist. Mit Ende April schließen viele Schlafplätze. „Im Sommer Personen einen Schlafplatz zu vermitteln, ist extrem herausfordernd – gerade bei so einer Hitze“, sagt Steiner.

Abkühlung im Café

Im angrenzenden Neunerhaus Café sollen eine Klimaanlage und ein Schanigarten für Abkühlung sorgen. „Die Hitze trifft alle, aber Menschen, die obdachlos oder wohnungslos sind, betrifft sie noch einmal anders“, sagt Café-Leiterin Laura Wahlmüller. Viele würden gezielt kommen, um sich abzukühlen. Andere würden für gratis Getränke und den Mittagsteller, die es rund ums Jahr gibt, kommen. Rund 100 Leute sind das täglich.  

Neben Essen und medizinischer Betreuung sollen Flyer und persönliche Gespräche praktische Tipps für heiße Tage vermitteln. „Es ist auch wichtig zu erklären, wie man sich in Notsituationen verhält, wenn jemand medizinische Hilfe braucht“, so Wahlmüller. Denn gerade in Hitzeperioden kann dieses Wissen lebenswichtig sein.

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