Pulver für die Seele: Kunst-Festival in der ehemaligen Zacherlfabrik
Die Zacherlfabrik in Döbling ist seit jeher ein besonderer Ort. In der Nusswaldgasse gelegen, hebt sie sich aufgrund ihrer Architektur von der Umgebung entscheidend ab. Diese ist stark vom Orientalismus und dem maurischen Revival-Stil geprägt, was sie zu einem der optisch markantesten Industriegebäude Wiens macht.
„Die Fabrikanlage stellt in ihrem Fantasiereichtum ein Unikum in der Wiener Baulandschaft dar“, heißt es etwa im Buch Architektur Wien: 500 Bauten. Die Fabrikanlage steht inmitten eines großen Gartens mit altem Baumbestand und erinnert auch stark an eine Moschee. Das Gebäude mit dieser außergewöhnlich markanten Anmutung wurde kurz vor Ende des 19. Jahrhunderts nach den Plänen von Hugo von Wiedenfeld errichtet. Benannt ist es nach der Mottenfraß-Versicherungs-Unternehmung von Johann Zacherl, der dort bis zum Ende der Monarchie Insektenpulver hergestellt hat. Der Namensgeber hat – und daher rührt auch die optische Ausrichtung – im Kaukasus geriebene Pyrethrumblüten entdeckt, die dort im Kampf gegen Ungeziefer eingesetzt wurden.
Ketevan Sepashvili, Intendantin der Manufaktur der Künste.
Er hat diese Blüten zu Pulver – Zacherlin – vermahlen und in seiner Fabrik in Döbling später industriell hergestellt, als er das dafür nötige Privileg erhalten hatte. 1918 endete die Produktion des Insektenpulvers, das zuvor die Welt erobert hatte. Das eindrucksvolle Bauwerk, das unter Denkmalschutz steht, blieb erhalten und wurde über mehr als ein Jahrhundert – einmal mehr, einmal weniger intensiv – als Ort für kulturelle Veranstaltungen genutzt. Jetzt dient es zum zweiten Mal dem Festival „Manufaktur der Künste“ als Spielort. Intendantin Ketevan Sepashvili freut sich auf die Neuauflage vom 4. bis 10. September.
Eröffnung
Am Freitag, 4. September, ab 18 Uhr mit Werken von Bohuslav Martinů, Michelle Allegro, Joseph Haydn und Nikolai Kapustin.
Weitere Termine
Am Samstag, 5. 9., ebenfalls ab 18 Uhr, ist Intendantin Sepashvili am Klavier mit Schumann und Liszt zu hören. Am Sonntag, 6.9. lädt das Festival zur Matinee mit Beethoven, Chopin, Rachmaninow, Bach und Carl Vine.
Alle Infos unter www.manufakturderkuenste.com
Neues Programm
„Was zunächst als Treffpunkt künstlerischer Disziplinen gedacht war, hat sich inzwischen als wiederkehrender Fixpunkt im Wiener Kulturkalender etabliert, geprägt von Präzision, Leidenschaft und einem tiefen Respekt vor künstlerischem Handwerk“, sagt Sepashvili.
Programmatisch setzt die Intendantin mit ihrem „Trio Revolution“ mit sechs Konzerten auf „große Werke der Musikgeschichte, die zeitgenössischen Kompositionen begegnen“ sowie auf Uraufführungen. Darüber hinaus wird – wie im Vorjahr – Susanne Bisovsky als Designer in Residence mit ihrer künstlerischen Arbeit eine wichtige Säule des Festivals darstellen. So sollen Musik, Mode und das unvergleichliche Raumerlebnis der Zacherlfabrik die Besucherinnen und Besucher erneut faszinieren und erfreuen.
Das Festival versteht sich als „Hommage an Präzision, Leidenschaft und Kreativität“, sagt Sepashvili, die sechs Konzerte umfassen zwei Uraufführungen, eine österreichische und eine europäische Erstaufführung, fügt die Intendantin an und versichert, einen „spannenden Dialog zwischen Tradition und Gegenwart im einzigartigen Fashion-Ambiente der Mode-Designerin Bisovsky“ zu präsentieren. Wesentlich sei weiters der Klang der Fazioli-Flügel aus Sacile, zur Verfügung gestellt vom Klavierbau-Meisterbetrieb Gustav Ignaz Stingl.
„Die besondere Atmosphäre dieses Ortes lädt das Publikum dazu ein, Kunst nicht nur zu erleben, sondern ihr Entstehen aufmerksam zu verfolgen und über ihre Wirkung nachzudenken“, schließt die Intendantin, die dazu einlädt, „Bekanntes neu zu entdecken und neue künstlerische Perspektiven zu eröffnen“.
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