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Geschäfte mit der russischen Rüstungsindustrie: Duo in Wien verurteilt

Student und seine Cousine hatten mit Firma Sanktionen umgangen und Teile für Marschflugkörper und Kampfflugzeuge geliefert.
Prozess wegen Umgehung Russland-Sanktionen

Sie sind Cousin und Cousine. Er, 28 Jahre alt und Maschinenbaustudent. Sie, 24, auffallend wortkarg. Die beiden waren Gesellschafter einer mittlerweile liquidierten Firma in Wien, die Waren an die russische Rüstungsindustrie geliefert haben. Und das ist streng verboten. Seit Jahren gibt es die EU-Sanktionen gegen Russland. Nun haben die Geschäfte ein Nachspiel vor Gericht.

Die DSN (Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst) war auf das Unternehmen aufmerksam geworden, 2025 wurden vier Objekte in Wien untersucht. Und dabei unter anderem 40 Datenträger sichergestellt.

Und so fanden sich etwa in einer Excel-Tabelle fein säuberlich aufgelistet, welche Güter wann und über welche Umgehungswege nach Belarus oder Russland geliefert wurden. Unter anderem waren Werkzeugmaschinen und Spezialwerkzeuge dabei. Sie sollen etwa für die Herstellung von Triebwerken für Marschflugkörper und Kampfflugzeuge gebraucht worden sein. Abnehmer waren mitunter Unternehmen, die dem sanktionierten, russischen Staatskonzern ROSTEC zugeordnet werden.  

Geständig und wortkarg

Am Mittwoch wird der 28-jährige Belarusse aus der U-Haft in den Verhandlungssaal geführt. „So wie es steht im Strafantrag“, sagt der junge Mann und zieht es vor, weitere Fragen des Richters unbeantwortet zu lassen. „Ich bin schuldig, es tut mir sehr leid. Aber ich möchte keine weiteren Fragen beantworten“, erklärt auch die zweitangeklagte Cousine.

Der Anwalt der beiden, Alexander Philipp, schildert das Ganze so: „Die Firma gab es seit 2019, es wurden viele Jahre lang Steuern gezahlt. Dann kam der Geschäftseinbruch durch Corona, danach noch die Sanktionen. Sie wollten nur ihr Unternehmen retten.“

Die eigentlichen Drahtzieher sollen die Väter der beiden Angeklagten - es sind Zwillingsbrüder - sein. Beide sind in Minsk untergetaucht. Von dort sollen sie den Ton angegeben, die Verschleierungsrouten für die illegale Fracht vorgegeben haben. So wurden Güter aus Österreich oder Deutschland über Polen, die Türkei oder sogar China und Südkorea nach Russland geschafft.

Der Erlös aus den Geschäften soll großteils an die Väter geflossen sein. Die Kinder wurden mit einem vergleichsweise mickrigen Gehalt abgespeist - und dürfen nun auch noch die Zeche zahlen.

Insgesamt 80 Fakten können ihnen nachgewiesen werden. Daraus sollen 780.000 Euro lukriert worden sein. Eine Lieferung, die im Mai nach Belarus geschickt werden sollte, wurde noch im Hafen Freudenau abgefangen.

Urteile: 21 Monate Haft für den 28-Jährigen, davon 19 Monate bedingt. Er wird, weil bereits in U-Haft gewesen, nach dem Prozess enthaftet. Die Cousine fasst 15 Monate bedingt aus. „Der Strafrahmen liegt bei fünf Jahren. Aus generalpräventiven Gründen müssen wir zeigen, dass eine Umgehung der Russland-Sanktionen zu Freiheitsstrafen führt“, erklärt der Richter.

Die Angeklagten sind zufrieden, nehmen das Urteil an. Ihre Begleiter, die im Zuhörerraum Platz genommen haben, klatschen bei der Urteilsverkündung ab. „Great job!“, loben sie den Anwalt.

Rechtskräftig.

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