Wiener Firma soll russische Rüstungsindustrie beliefert haben
Die russische Rüstungsindustrie soll trotzt Sanktionen von Wiener Firma beliefert worden sein. Ein Verdächtiger aus Belarus steht am Mittwoch vor Gericht.
Wer Russland mit Waffen beliefert, macht sich strafbar. Schon vor Jahren wurden entsprechende Sanktionen gegen Russland verhängt. Und dennoch gelangen immer wieder kriegswichtige Materialien dorthin.
Daran beteiligt sein soll auch ein Unternehmen aus Wien. Die Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN) hat bereits im August 2025 vier Objekte in der Bundeshauptstadt durchsucht. Dabei wurden unter anderem 40 Datenträger sichergestellt. Nun, ein Jahr später, kommt es am Mittwoch zum Prozess im Landesgericht für Strafsachen in Wien. Beim Hauptverdächtigen handelt es sich um einen 28-jährigen Belarussen, der sich seit Mai in Untersuchungshaft befindet.
High-Tech für Kampfflugzeuge
Laut Ermittlern soll das Unternehmen gezielt dazu gegründet worden sein, um sanktionierte Industriegüter nach Russland zu liefern. Konkret soll es sich um Werkzeugmaschinen und Spezialwerkzeuge für die Metallverarbeitung handeln. Die Güter sollen unter anderem für die Herstellung von Triebwerken für Marschflugkörper und Kampfflugzeuge gebraucht werden.
Zur Verschleierung der tatsächlichen Lieferwege sollen die Beschuldigten ein internationales Firmen-Netzwerk genutzt haben. Die Spuren führen unter anderem in die Türkei, die Vereinigten Arabischen Emirate, Hongkong, Südkorea oder Polen.
Europäischen Herstellern soll mit gefälschten End-User-Certificates (Endverbleib der Lieferung) vorgetäuscht worden sein, dass die Waren in Drittstaaten bleiben. Tatsächlich waren sie laut Ermittlungen aber für Unternehmen bestimmt, die dem russischen Staatskonzern ROSTEC zugeordnet werden.
Bereits seit 2019 sollen so Güter für das russische Militär beschafft worden sein. Seit 2022 soll der Wert der gelieferten Waren mehr als 3,3 Millionen Euro betragen haben. Der in Österreich erzielte Umsatz betrug mehr als 700.000 Euro.
Selbst nach den Hausdurchsuchungen im Vorjahr soll versucht worden sein, die Machenschaften weiterzuführen. Daher kam es im vergangenen Mai zur Festnahme des 28-Jährigen. Gleichzeitig wurden sanktionierte Maschinen und Spezialwerkzeuge im Wert von rund 140.000 Euro sichergestellt.
„Dass hochpräzise europäische Technologie über Umwege in die Produktion von Marschflugkörpern und Flugabwehrsystemen fließt, ist inakzeptabel“, sagt Staatssekretär Jörg Leichtfried (SPÖ). „Dieser Fall zeigt, mit welchem Aufwand internationale Netzwerke versuchen, bestehende Sanktionen zu umgehen“, so DSN-Direktorin Sylvia Mayer.
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