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Nach Boxkampf flogen am Praterstern die Fäuste

Nach Profikampf im TV: Russe und Ukrainer krachten aneinander, ein Bierkrug wurde als Waffe eingesetzt. „Es war Notwehr“, meint der Anwalt des angeklagten Russen.
Heavyweight Boxing - Oleksandr Usyk vs Daniel Dubois title fight

Der Kampf zwischen zwei Schwergewichtskämpfern war gerade zu Ende: Der Ukrainer Oleksandr Usyk hatte den Briten Daniel Dubois vor 90.000 Zuschauern souverän besiegt. Doch in Wien war das der Beginn einer wilden Schlägerei am Praterstern. Ein Russe und mehrere Ukrainer waren in Streit geraten. Am Ende erlitten mehrere Männer Verletzungen, darunter auch Brüche im Gesicht.

Angeklagt sind im Landesgericht für Strafsachen in Wien der junge Russe und sein 21-jähriger Bekannter, ein Ukrainer. Ihnen wird unter anderem schwere Körperverletzung vorgeworfen. Die Männer hatten sich die Übertragung des Boxkampfes in einer Sportsbar am Praterstern angesehen. Was der junge Russe beim Verlassen sagte, darüber gibt es mehrere Versionen. Sie reichen von „Russland wird trotzdem siegen“ (Staatsanwältin) oder: „Der Russe hat gewonnen“ (Angeklagter, der beteuert, damit einen Scherz über Boxprofi und Ukrainer Usyk gemacht zu haben).

Die Aussage jedenfalls hörten mehrere Ukrainer, die sich in dem Lokal aufgehalten hatten, zudem soll es eine deftige Beleidigung gegeben haben. Sie folgten dem Russen. Wenig später lag ein Ukrainer mit schweren Verletzungen am Boden. Ein Bierkrug hatte ihn im Gesicht getroffen. 

„Dass die Aussage provokant klingt, mag sein. Aber das muss man verkraften. Für mich war das Notwehr“, sagt Rechtsanwalt Mirsad Musliu, der den Russen vertritt. Denn sein Mandant habe gemeinsam mit seiner Freundin und dem ukrainischen Bekannten einfach den Ort verlassen wollen, die Ukrainer seien ihnen gefolgt. 

Kampfsport

„Ich habe diesen Scherz gemacht, der nicht böse gemeint war“, beteuert der Russe. „Er (der Mitangeklagte, Anm.) ist ja auch Ukrainer und wir sind trotzdem Freunde.“ Die beiden kennen sich übrigens vom Kampfsport. Zudem hätten die Ukrainer ihn als homosexuell bezeichnet und seine Familie beleidigt. „Und das alles vor meiner Freundin.“ Mehrere Ukrainer hätten ihn umzingelt, gestoßen und getreten. „Ich musste irgendwie antworten“, meint der Angeklagte. Also habe er mit einem leeren Bierkrug um sich geschlagen. „Ich hatte Angst.“

„Hatten Sie Verletzungen?“, fragt der Richter. „Nein“, sagt der Russe. Das verwundert den Richter. „Sie und Ihr Freund haben fast keine Verletzungen. Aber die Gegenseite hat Schädelprellungen und Schlimmeres. Die Geschichte passt nicht ganz zusammen.“

Keine Anzeige

Anzeige hatte der Russe übrigens danach keine erstattet, obwohl er sich angeblich bedroht gefühlt hatte. „In meinem Heimatland ist es nicht üblich, dass man wegen so etwas die Polizei ruft.“

Prozess vertagt. Ein bisher unbekanntes Video ist aufgetaucht, das Aufschluss über die Schlägerei geben könnte. Zudem müssen noch Zeugen gehört werden. Fortsetzung am 16. September. 

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