Kinder in Straßenbahn attackiert: "Jeder könnte ihr Opfer werden"

Die 26-Jährige zeigte sich nicht einsichtig hält sich für nicht gefährlich. Dennoch wird sie in ein forensisch-therapeutisches Zentrum eingewiesen.
Junge Frau mit Papier vor dem Gesicht im Gerichtssaal.

Sie ist am 23. März 26 Jahre alt geworden, in Jakarta geboren und mit zwei Jahren nach Österreich gekommen. Heute nimmt die junge Frau vor dem Richter Platz.

Mit ihren schwarzen Jeans, dem weißen T-Shirt, die schwarzen Haare mit einem dünnen weißen Haarband zu einem Zopf gebunden, sieht die zierliche Frau aus, als ob sie niemandem etwas zuleide tun könnte. 

Die Bilder, die der Richter später aus der Überwachungskamera einer Straßenbahn - es war die O-Linie - zeigen wird, lassen anderes vermuten. 

Auch die Vorgeschichte weist darauf hin: Die Frau hat bereits eine Verurteilung wegen schwerer Körperverletzung zu sechs Monaten Haft erhalten.

"Best-of an Vorfällen"

"Es ist nur ein Best-of, das wir heute verhandeln", leitet der Richter ein. Denn nur drei schwerwiegende Fälle hat die Staatsanwaltschaft im Strafantrag, der eine Einweisung in eine forensisch-therapeutische Einrichtung beinhaltet. Deshalb wird die junge Frau auch als "Betroffene", und nicht als Angeklagte geführt.

Denn sie hat den "Jackpot" der Psychiatrie erhalten, wie es der Gutachter bezeichnet: Eine schizoaffektive Störung, also Schizophrenie mit Wahnvorstellungen, dazu bipolare Störungen und eine dissoziale Persönlichkeitsstörung mit erhöhtem Aggressionspotenzial, gepaart mit der Unfähigkeit, aus Fehlern zu lernen. Und sie nehme "Drogen, die sich ihr gerade bieten", was die Problematik verschärfe.

Deshalb ist der Gutachter überzeugt: "Jeder könnte ihr Opfer werden." Bei ihr bestehe ein "hohes Risiko, dass es wieder zu gewalttätigen Attacken kommen wird, vor allem auf Kinder, sagt der Gutachter. 

Drei Vorfälle sind eben aufgelistet: Im Juli 2025 hat die Frau in der Klinik Hietzing eine Pflegerin unvermutet attackiert.

Mädchen mit Handy attackiert

Im September 2025 hat sie schon am Bahnsteig in der Station Rennweg Leute angepöbelt, dann unvermittelt ein Mädchen (8) mit dem Handy attackiert und mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Das Mädchen kann sich zu einer Zeugin retten.

"Vielleicht hat mich das Mädel angegafft", sagt die Betroffene, sonst könne sie sich an nichts erinnern. „Ist das ein Grund, jemanden zu attackieren?“, fragt der Richter.

„So etwas habe ich noch nie gesehen“, leitet er dann das Video zum nächsten Vorfall ein, „und so etwas will ich auch nie mehr sehen."

Mit voller Wucht ins Gesicht getreten

Am Video ist zu sehen, wie sie sich neben das Mädchen setzt, dann aufsteht und dem Mädchen unvermittelt mit dem Fuß mit voller Wucht ins Gesicht tritt, dass das Mädchen gegen die Scheibe der Straßenbahn kracht. 

"Ich dachte, sie nimmt mir meinen Ring weg. Sie hat den Ring angestarrt." Der Richter fragt: "Wenn Sie das sehen, glauben Sie, dass Sie gefährlich sind?" "Nein", antwortet sie. 

Schon zuvor hatte die Frau gemeint: "Es tut mir leid, es wird nicht mehr vorkommen. Ich kann mich nicht äußern, weil mir die Erinnerung fehlt. Ich bin keinesfalls gefährlich“. 

"Weil?", fragt der Richter nach.

"Ich bin nicht gefährlich"

"Ich nicht gefährlich bin“, bleibt sie dabei. Sie könne auch nicht nachvollziehen, warum ihr jemand diese Gefährlichkeit vorwerfe.

Der Richter fragt nach: "Wie soll es weitergehen?" "Ich hoffe auf eine Enthaftung“, antwortet sie und will zurück Jakarta, wo sie geboren ist, um Klavier oder Gitarre zu studieren: "Ich kann hier nicht studieren, der Ort gefällt mir nicht, ich will zurück in meine Heimat“, sagt sie, „ich will von den Medikamenten wegkommen, weil sie mir nichts bringen."

Dem hält der Richter entgegen: "Sie sind krank, das wirft Ihnen auch niemand vor, sie haben sich die Krankheit nicht ausgesucht." Aber die Frage, warum sie nicht behandelt werden will, kann sie erst wieder nicht beantworten.

Neugeborenes von Jugendamt abgenommen

Der psychiatrische Gutachter schildert schließlich noch, dass die Frau vor der ersten gegenständlichen Attacke schwanger gewesen sei, das Kind wurde ihr vom Jugendamt abgenommen. 

Seit sieben Jahren sei sie regelmäßig in psychiatrischer Behandlung. Eine Aussichte auf Besserung außerhalb einer stationären Behandlung sieht er nicht und gib noch einen Einblick in ihre Gedankenwelt: "Sie sagte zu mir, sie herrsche über Indonesien, Europa werde Probleme bekommen, wenn sie eingesperrt wird."

"Zur Einweisung gibt es keine Alternative"

Um kurz vor 13 Uhr stand dann fest: Die 26-Jährige wird rechtskräftig in ein forensisch-therapeutisches Zentrum eingewiesen, wo sie zeitlich unbefristet so lange mit Medikamenten behandelt werden kann, bis ein Sachverständiger zum Schluss kommt, dass von ihr keine Gefahr mehr ausgeht. 

Die Unterbringung im Maßnahmenvollzug sei dringend geboten, zumal die Betroffene keine Krankheitseinsicht zeige, betonte der vorsitzende Richter: "Zur Einweisung gibt es keine Alternative."

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