Chronik | Wien
23.11.2017

Prozess: Psychisch Kranker versuchte Oma in Wien Kind wegzunehmen

Stimmen hätten ihm gesagt, dass es dem Kind nicht gut gehe. Der 38-Jähriger wurde in eine Anstalt für abnorme Rechtsbrecher eingewiesen.

Ein psychisch Kranker hat am 7. September 2017 in der Wiener S-Bahn-Station Handelskai versucht, einer Großmutter ihre zweijährige Enkelin wegzunehmen. Er trat an den Kinderwagen heran, in dem die Kleine lag, und wollte diese rausheben. Die resolute Oma verhinderte das. Am Donnerstag wurde gegen den 38-Jährigen am Landesgericht verhandelt.

"Stimmen haben mir gesagt, dass es dem Kind nicht gut geht und dass ich es zur Polizei bringen soll", erklärte der Mann einem Schöffensenat (Vorsitz: Eva Brandstetter). Einen Tag zuvor wollte er am Bahnhof Floridsdorf ein vier bis fünf Jahre altes Kind der erwachsenen Begleitperson entreißen, indem er dieses umarmte und wegzuziehen versuchte: "Ich hab' geglaubt, dass das Kind entführt worden ist."

Schizophrenie durch Drogenkonsum

Der Mann leidet an paranoider Schizophrenie, die durch jahrelangen Drogenkonsum ausgelöst bzw. verstärkt wurde, wie der psychiatrische Sachverständige Karl Dantendorfer ausführte. Mit 15 begann er Cannabis zu rauchen, mit 22 stieg er auf harte Drogen um. Seit zehn bis zwölf Jahren höre er innere Stimmen, die ihm Befehle erteilen, erklärte der 38-Jährige. 20 Mal befand sich der Mann deshalb bereits in stationärer Behandlung. Auf Medikamente, die ihm geholfen hätten, seine Erkrankung in den Griff zu bekommen, verzichtete er: "Ich hab' gehört, dass man davon Alzheimer kriegen kann oder schusselig wird."

Nach der gescheiterten Kindeswegnahme am Handelskai blieb der 38-Jährige in wenigen Metern Entfernung einfach stehen, bis die von Zeugen alarmierte Polizei eintraf und ihn festnahm. Seither wird er auf der Krankenabteilung der Justizanstalt Josefstadt medikamentös behandelt, ist krankheits- und behandlungseinsichtig. "Er ist seit Wochen psychisch stabil", stellte der Gerichtspsychiater fest. Sollte der Mann allerdings wieder in Berührung mit Drogen kommen, wäre binnen weniger Tage ein neuerlicher psychotischer Zustand zu erwarten. "Ein Schizophrener, der Cannabis konsumiert, ist gar nicht behandelbar. So viele Medikamente kann man ihm gar nicht geben, dass er nicht mehr halluziniert", warnte Dantendorfer.

Angeklagter zurechnungsunfähig

Der Senat wies den zurechnungsunfähigen 38-Jährigen daher in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher ein. Wenn sich sein Zustand dauerhaft bessert, hat er Aussicht, in eine betreute WG verlegt zu werden, bei der seine weitere medikamentöse Behandlung gewährleistet sein muss. Die Entscheidung des Gerichts ist vorerst nicht rechtskräftig.