Prozess: Mit dem Bolzenschneider zum Markenfahrrad

Junge Männer finanzierten ihr Leben mit Diebstählen; beide verurteilt.
46-223933245

7.009 Fahrräder wurden im Jahr 2024 allein in Wien gestohlen, Tendenz steigend. Für 2025 und 2026 liegen noch keine Zahlen vor. Fest steht jedoch bereits, dass einige der in diesem Zeitraum entwendeten Räder auf das Konto jener beiden jungen Männer gehen, die an diesem Mittwoch im Wiener Landesgericht aus der U-Haft vorgeführt werden.

Der 26-jährige Erst- und der 19-jährige Zweitangeklagte sind geständig. Die beiden unbescholtenen serbischen Staatsbürger leben in Österreich. Ihnen wird jeweils gewerbsmäßiger schwerer Diebstahl vorgeworfen. Sie sollen von Dezember 2025 bis Januar 2026 Fahrräder im Wert von mindestens 5.700 bzw. 5.000 Euro gestohlen haben. „Ungefähr 20“, sagt der Ältere. „Circa zehn“, sagt der Jüngere. Dazu brachen sie Fahrradräume auf und „öffneten“ Fahrradschlösser mit einem Bolzenschneider. Einen größeren Beutezug im Dezember unternahmen sie gemeinsam, dann trennten sich ihre Wege.

Günstig verkauft

Die sechs bei diesem Termin gestohlenen Räder teilten sie auf. „Ich habe sie auf ,Willhaben' und ,Facebook Marketplace' um 150 bis 200 Euro verkauft. Bei den Marken kenne ich mich nicht so aus“, gibt der Ältere an. Ein echtes Schnäppchen für die Käufer. Schließlich handelte es sich teils um teure Markenräder.

Zudem wird ihm vorgeworfen, fremde Kennzeichen auf das eigene Auto montiert zu haben – „Ich hatte wahrscheinlich gerade kein Kennzeichen“ – und Radklammern entfernt zu haben – „Damit ich weiterfahren kann.“ Er zeigt sich reumütig. „Ich möchte mein Leben wieder auf die Reihe kriegen und mich bei jedem Einzelnen entschuldigen.“ Warum er sich zu der Straftat hinreißen ließ? „Meine Lebensgefährtin wusste nicht, dass ich arbeitslos bin und kein Einkommen habe. Aber man muss ja auch leben, essen, einkaufen.“

„Musste das machen“

Weniger reumütig gibt sich der Jüngere der beiden, der sich teilweise schuldig bekennt. Er wirkt leicht unbeteiligt, gibt seiner Dolmetscherin knappe Antworten und glänzt mit Erinnerungslücken. „Ich habe ihn gestern anders kennengelernt. Heute hat er es geschafft, sich unsympathisch zu präsentieren“, sagt sein Verteidiger. Dies sei aber der Überforderung seines Mandanten mit der Verhandlungssituation geschuldet. Schließlich sei dieser erst 19 Jahre alt.

Der junge Mann lebte bis vor einigen Monaten noch in Serbien und war nach Wien gekommen, um bei seiner Lebensgefährtin und dem gemeinsamen kleinen Kind zu sein. Warum wurde er straffällig? „Ich hatte Probleme und musste das machen.“ Die gestohlenen Räder habe er einem Mann überlassen, der sie nach Serbien brachte. Ohne Bezahlung, wie er erst sagt. Später stellt sich heraus, dass er Schulden bei dem Mann hatte.

Sein Plan für die Zukunft? „Ich möchte so etwas nicht mehr machen, einen normalen Job und in Wien mit meiner Familie leben.“ Dieser Traum ist nun in weite Ferne gerückt. Sein neues Leben wird er sich, wie sein Verteidiger sagt, wohl woanders aufbauen müssen. Auch ihm wird vorgeworfen, sich fremder Kennzeichen bemächtigt zu haben. Hier verwickelt er sich in Widersprüche.

Das Urteil ist schnell gefällt: 22 Monate Haft für den Erstangeklagten, davon vier unbedingt. 18 Monate bedingt für den Jüngeren. Nicht rechtskräftig.

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