Protest gegen Lobau-Autobahn: „Öffis statt Monsterbau“
Demonstranten mit Plakaten im Park in Essling.
Die geplante Lobau-Autobahn sorgt weiterhin für hitzige Diskussionen. Zuletzt wurde das Protestcamp in St. Marx geräumt, wo Autobahngegner und Gegner der dort geplanten Multifunktionshalle gemeinsame Sache gemacht hatten.
Nun hat sich der Protest Richtung geplanter Baustelle verlegt. Am Samstag fand eine große Protestkundgebung im frühlingshaft grünen Bill-Grah-Park in Essling statt. Umweltgruppen, wie die Initiative „Esslinger für die Lobau“, Wissenschafterinnen und Wissenschafter sowie Künstlerinnen und Künstler hatten dazu aufgerufen, gegen den im angrenzenden Niederösterreich bereits gestarteten Bau ins Feld zu ziehen.
"Retten wir die Donau-Au"
Hunderte Menschen, von ganz jung bis alt, waren mit Transparenten und Fahnen in den Park gekommen. „Schützen wir die Lobau, retten wir die Donau Au“, wird die Hymne der Lobau im Bill-Grah-Park skandiert.
Die Protestveranstaltung wird zwar von guter Stimmung begleitet, die Aussicht für die Lobau allerdings weniger: „Dieses Projekt bringt keine Verkehrsentlastung“, sagt Autobahngegner Wolfgang Rehm über die „teuerste Sackgasse" Österreichs.
„Öffis statt Monsterbau, für uns alle und die Lobau“, ist auf einem Transparent zu lesen, worum es den Gegnern der Lobau-Autobahn geht. Oder besser, worum sie kämpfen, wofür sie stehen.
Demonstranten gegen die Lobau-Autobahn.
Prominenter Kritiker
In diese Kerbe schlägt auch einer der prominenten Kritiker der Autobahn, Franz Essl. Der Biodiversitätsforscher und Wissenschafter des Jahres 2022 erhebt seine Stimme immer dort, wo in die Zerstörung der Natur investiert wird – auch wenn er an diesem Samstag nicht dabei sein konnte.
Er kritisiert schon im Vorfeld, dass in den Neubau von Autobahnen wie in der Lobau Milliarden an Steuergeldern gesteckt werden, die „noch mehr Autoverkehr und Zersiedelung, mehr Lärm und zerschnittene Landschaften bringen“. Dabei sei es angebracht, angesichts der Klimakrise den motorisierten Individualverkehr zu reduzieren und die Landschaft zu renaturieren.
"Schleichende Katastrophe"
Das kann Reinhard Steurer, Klimaforscher an der Universität für Bodenkultur, nur unterstreichen. „Alle Klimawissenschafter prognostizieren eine schleichende Katastrophe“, weiß er und betont, dass gerade in Zeiten einer Klimakrise – er sagt lieber Klimakatastrophe – fruchtbare Ackerböden für Lebensmittelsicherheit auch in Österreich von grundlegender Bedeutung wären.
Deshalb ist er überzeugt: „Das ist ein Projekt, das sich lohnt bekämpft zu werden.“ Und auch Reinhard Steurer verweist im Gespräch mit dem KURIER auf die Kosten: Es sei ein teures Projekt, das man sich in Zeiten der Budgetkrise auch nicht leisten könne.
„Auf den ersten Blick sieht das Projekt gut aus, aber die ökologischen Auswirkungen sind verheerend“, sind sich Gerlinde Steininger und Sabine Greinert aus der Donaustadt einig. Versammelt haben sich neben Anrainerinnen und Anrainern auch Umweltorganisationen wie Global 2000 sowie der Naturschutzbund.
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