Chronik | Wien
02.05.2018

Privates Augenzentrum beim Wiener Donauspital sorgt für Unmut

Leiterin plante Absiedlung der Augenabteilung des Spitals. Neos orten Interessenskonflikt.

Modernste Diagnose- und Behandlungsmethoden bietet das Augenzentrum in der Donaustädter Zschokkegasse an, das kürzlich eröffnet wurde. Im Endausbau werden hier sechs Wahlärzte ordinieren, die die Patienten gegen private Bezahlung behandeln. Kooperationspartner ist die Sigmund-Freud-Privatuniversität, die damit ihre medizinische Kompetenz weiter ausbauen will.

Die Eröffnung war allerdings von erheblichen Misstönen begleitet. Denn die Leiterin des Zentrums ist die Netzhautspezialistin Susanne Binder. Bis Mai 2017 war sie für den Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) tätig und leitete dort ein massiv umstrittenes Umstrukturierungsprojekt: Die geplante Verlegung der Augenabteilung aus dem Donauspital in die Rudolfstiftung (Landstraße). Patienten, die eine Unterversorgung der Donaustadt befürchteten, liefen gegen dieses Vorhaben Sturm, schließlich wurde es auf Eis gelegt.

Merkwürdiger Zufall

Dass jetzt ausgerechnet Binder ein privates Augenzentrum nur wenige Meter vom Donauspital entfernt leitet, kommt manchen merkwürdig vor. „Hier stellt sich die Frage eines Interessenskonflikts“, sagt Neos-Gemeinderat Stefan Gara. Die Vorlaufzeit für die Errichtung des Augenzentrums könnte länger als ein Jahr betragen haben und somit noch in die Zeit fallen, als Binder für den KAV die Absiedlung der Augenabteilung vorangetrieben habe. Gara will eine Anfrage an die Gesundheitsstadträtin einbringen. Ihn stört auch, dass das Zentrum keinen Kassenvertrag hat und so zu keiner Entlastung des Spitals führen werde.

Binder weist die Vorwürfe zurück: „Der Plan für eine KAV-interne Zentralisierung der Augenmedizin geht auf die Jahre 2010 und 2011 zurück. Damals war von dem Projekt der Universität noch überhaupt keine Rede.“ Ihre Arbeit für die Uni habe sie erst im Oktober 2017 aufgenommen, also erst nach ihrem Ausscheiden aus dem KAV.

Auch die Wahl des Standortes für das private Zentrum (der Vertrag dafür wurde laut Binder im Jänner 2018 unterschrieben) habe keinen besonderen Hintergrund, „es hätte auch im 23. Bezirk entstehen können“.