Andreas Schwarz diskutierte mit Katharina Rogenhofer, Alexis von Hoensbroech, Günther Kerle und Werner Boote

© Kurier/Gilbert Novy

Chronik Wien
09/12/2019

Podiumsdiskussion: Wer stoppt den Klimawandel?

Was jeder Einzelne tun kann und warum es politische Maßnahmen braucht, wurde beim KURIER-Tag diskutiert.

von Caroline Ferstl

„Nicht zu fliegen, würde das Klima allein auch nicht retten“, dem ist sich Alexis von Hoensbroech, CEO von Austrian Airlines, sicher. Denn: Der Flugverkehr selbst sei in Summe nur für 2,7 Prozent der globalen CO2-Emissionen verantwortlich. „Zum Vergleich: Der Autoverkehr macht 18 Prozent, Streaming vier Prozent und die Baubranche zehn Prozent des globalen Treibhausgasausstoßes aus, rechnet von Hoensbroech beim KURIER-Tag vor.

Dennoch plädiere auch er in Vertretung der Austrian Airlines dafür, für kurze Strecken auf die Bahn umzusteigen und auf Wochenendtrips nach Mallorca zu verzichten.

Kaum ein anderes Thema beschäftigt die Gesellschaft derzeit so sehr wie der Klimawandel. Auch die Diskussion beim KURIER-Tag zur Frage „Ist die Erderwärmung noch zu stoppen“ wurde emotional: Andreas Schwarz, Ressortleiter der Außenpolitik, begrüßte dazu neben von Hoensbroech auch Katharina Rogenhofer, die Initiatorin des Klimavolksbegehrens und Aktivistin bei Fridays for Future, auf der Bühne, genauso wie Günther Kerle von der Industriellenvereinigung Automobilimporteure und Dokumentarfilmer Werner Boote.

Umdenken notwendig

Katharina Rogenhofer stimmte von Hoensbroech zu: „Derzeit gibt es keine vernünftige Alternative zum Flugzeug, um etwa den Atlantik zu überqueren“, und spricht dabei Greta Thunbergs Überfahrt nach Amerika auf einem Segelboot an. Die Aktivistin fordert ein Umdenken in der Gesellschaft. Klimafreundliche Alternativen müssten zudem billiger werden. Es sei verantwortungslos von der Politik, den Konsumenten die Entscheidung zu überlassen. „Die Politik muss die Kosten, die die Gesellschaft durch die Klimakrise trägt, sichtbar machen“, fordert Rogenhofer und spricht sich dabei für eine CO2-Steuer mit Rückvergütung aus.

Weniger Aktionismus

Laut Günther Kerle sei die Mineralölsteuer bereits einer CO2-Steuer ähnlich. „Man müsse die derzeitige Besteuerung jedoch anders aufteilen und Fixzahlungen, wie etwa die Besitzsteuer, müssten fallen“, argumentiert Kerle. Es bringe beispielsweise nichts, wenn Politiker den Klimanotstand ausrufen würden, es brauche mehr Pragmatismus und Handlungen und weniger Aktionismus, ergänzt er.

Etwa die Einführung von E-Bussen im Stadtverkehr. Kerle kritisiert zudem, dass die Infrastruktur dafür in den Städten noch sehr spärlich ausgebaut sei. „Dabei wären E-Autos gerade, was den lokalen Emissionsausstoß angeht, die Lösung“, so Kerle. Die neuesten Trends und Entwicklungen in diesem Bereich werden derzeit übrigens auf der Internationalen Autoausstellung (IAA) in Frankfurt präsentiert.

"Maßnahmen setzen, bevor Thema an Aufmerksamkeit verliert"

Auch den renommierten Dokumentarfilmregisseur Werner Boote begrüßte Andreas Schwarz auf der Bühne. Bekannt wurde Boote mit seinem Film „Plastic Planet“, der die Gefahren von Plastik aufzeigt. Boote ließ es sich nicht nehmen, den KURIER wegen der Wasserflaschen aus Plastik zu kritisieren, die an diesem Tag an die Besucher verteilt wurden: „Wien hat doch so ein wunderbares Leitungswasser, da braucht es kein Plastik.“

Auf Kritik folgte jedoch sogleich Lob: „Ich schätze am KURIER besonders, dass er das Thema Klima so intensiv behandelt. Wir müssen uns stärker für unsere Umwelt einsetzen.“

Boote erinnert an die 1970er Jahre, als das Thema Umweltschutz zum ersten Mal Fuß im Bewusstsein der Bevölkerung fasste. „Jetzt muss aber etwas passieren, es darf nicht so sein wie damals, dass das Thema, bevor Maßnahmen ergriffen werden, an Aufmerksamkeit verliert.“