Schauen, prüfen, strafen: Die „Weißkappler“ prüfen erst, ob das Auto ein Pickerl oder einen Parkschein hat.

© /Martin winkler

Bilanz
10/27/2014

Parkstrafen nahezu verdoppelt

Höhere Strafen und Ausweitung des Parkpickerls führten zu drastischem Anstieg an Einnahmen für Stadt.

von Elias Natmessnig

Leopold Bubak hatte sein Auto nur kurz geparkt, um schnell in ein Geschäft zu hüpfen. Als er wenige Minuten später zum Auto zurückkam, sah er schon von Weitem den Strafzettel hinter dem Scheibenwischer. Dabei sollte er es besser wissen: Bubak ist Parkpickerlkoordinator der Stadt Wien und Chef der MA 65 (Rechtliche Verkehrsangelegenheiten).

Im Oktober 2012 hat die Stadt Wien die Parkraumbewirtschaftung im Westen massiv ausgedehnt. Das brachte nicht nur mehr freie Parkplätze für Anrainer, sondern auch mehr Einnahmen für die Stadt Wien.

Durch das Parkpickerl und Parkscheine nahm die Stadt im Jahr 2013 knapp 102 Millionen Euro ein, um sieben Millionen mehr als 2012. Ganz anders die Einnahmen aus den Parkstrafen. Hier nahm man 2013 knapp 59 Millionen ein. Um 27 Millionen mehr als noch im Jahr zuvor – das ist nahezu eine Verdopplung.

Der massive Anstieg hat mehrere Gründe. Denn so banal es klingt: Durch das größere Gebiet gibt es auch viel mehr Möglichkeiten, falsch zu parken. Vor allem Autofahrer, die aus dem Ausland oder den Bundesländern kommen, fahren in die Falle.

Neue Kontrolltruppe

"Ein Grund ist auch die Zusammenlegung der Kontrollorgane, die sogenannten Weißkappler und Blaukappler", sagt Bubak. So entstand eine 300 Mann starke Überwachungstruppe, die dazu auf 430 Mann erhöht wurde.

Zudem wird streng kontrolliert – manchmal auch überstreng, kritisiert Martin Hoffer, Verkehrsrechtsexperte des ÖAMTC . "So wurden etwa beim Handyparken Leute gestraft, die eben erst aus dem Auto ausgestiegen waren und gerade via Handyparken ihr Ticket lösen wollten."

Für viel Verärgerung und Verwirrung sorgten ab Mitte 2013 auch die neuen Bodenmarkierungen auf der Mariahilfer Straße. Dort war mit der Einführung des Probebetriebs für die Fußgängerzone erstmals eine durchgehende gelbe Linie zu sehen. Sie zeigt an, dass das Halten und Parken an diesem Abschnitt verboten ist. Auch wenn die Stadt einräumte, dass die Regelung nicht ausreichend kommuniziert wurde, stellten die Parksheriffs dennoch viele Strafen aus.

Sieht man sich die Zahl der Delikte an, ist die Steigerung aber nicht so hoch. Die Zahl erhöhte sich von 947.000 auf 1.238.000, das ist ein Plus von 31 Prozent.

Erhöhungen

"Durch die stärkere Überwachung gab es auch eine Disziplinierung", sagt Bubak, darauf angesprochen. Hauptgrund für die hohen Einnahmen sei aber die Erhöhung der Strafen im Jahr 2012. Kostete Falschparken bis dahin 21 Euro, muss man jetzt bereits 36 Euro berappen. Auch andere Strafen, wie das Verstellen einer Ausfahrt oder Parken nah an einer Kreuzung, werden hart bestraft.

Den Rekord an Strafen hält wohl Gunther N., über dessen Fall der ORF-Bürgeranwalt berichtet: N. hat sein Auto in einer Kurzparkzone geparkt, in der Hektik der Reisevorbereitung darauf vergessen – und war auf Urlaub gefahren. Drei Wochen stand sein Wagen daraufhin in der Kurzparkzone. Die Folge: Er bekam 21 Strafverfügungen und soll nun 1500 Euro zahlen.

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