parkpickerl währing

© /Anna-Maria Bauer

Chronik | Wien
09/05/2016

Parkpickerl: Währing atmet auf, Döbling erstickt

Seit Montag gilt im 18. Bezirk das Parkpickerl. Das hat Konsequenzen für den Nachbarbezirk.

Montagfrüh am Tag Eins des Währinger Parkpickerls: In der Gustav-Tschermak-Gasse füllt Eva Pölzl verärgert einen Parkschein aus. Die gebürtige Steirerin zog kürzlich mit ihrer Familie in die Hasenauerstraße und zwar auf jene Seite, die im 19. Bezirk liegt.

Die entspannte Parkplatzsituation war mit ein Grund, weshalb sie sich für das Haus entschied.

Doch am 5. September lässt sich hier kein Parkplatz mehr finden. Schlussendlich quert Pölzl die Hasenauerstraße und stellt ihr Auto im kostenpflichtigen Währing ab. Denn dort gibt es jede Menge freie Parkplätze. "Das ist absurd. Jetzt muss ich als Bewohnerin des 19. Bezirks im 18. Bezirk zahlen? Wir sind ja nicht in Schilda!"
Thomas Feiger, Obmann des Wiener Cottage Vereins, ist von der Situation nicht überrascht: "Es war zu befürchten, dass die Einführung des Parkpickerls in Währing zu einer Parkplatznot in den angrenzenden Gassen Döblings führen wird."

Übersiedelungen in der Nacht

Seit Sonntagabend seien laut Feiger kontinuierlich Autos vom Währinger in den Döblinger Teil des Cottage-Viertels übersiedelt. "Schauen Sie sich das jetzt an: Alles zu", sagt Feiger, als er Montagfrüh seine Runden im Grätzel dreht. "Die Pendler weichen jetzt nach Döbling aus." Er werde noch einmal mit Döblings Bezirksvorsteher Adi Tiller (ÖVP) sprechen. Das sei kein Zustand.

Tiller zog am Morgen ebenfalls seine Runden im Cottageviertel und konstatierte: "So geht das nicht." Er werde versuchen, die für Jänner angesetzte Parkpickerl-Befragung vorzuziehen. "Der Text ist fix fertig in der Schublade. Wir könnten theoretisch Ende Oktober befragen."

Ungewohnte Ruhe

Währings Bezirksvorsteherin Silvia Nossek (Grüne) konnte indes ein wenig aufatmen: 10.000 Währinger hatten sich ein Parkpickerl besorgt, die Weißkappler werden in den ersten drei Tagen noch informieren und nicht strafen. Nossek erreicht unterdessen viel positives Feedback. Eine Userin schrieb auf Facebook: "Es ist so einfach. Parkplatz vor der Tür. Keine kreisenden Autos, die Stille ist fast noch ein bisserl ungewohnt."

Beim KURIER-Lokalaugenschein auf der Währinger Straße sind die Menschen geteilter Meinung. Walter Kaltenbäck, der gerade aus seinem Auto steigt, ist begeistert. Kaltenbäck wohnt im 2. Bezirk, hat hier aber seit vielen Jahren seinen Hautarzt: "Ich stehe heute beinahe vor seiner Tür. Das gab’s noch nie. Sonst muss ich immer ewig Parkplatz suchen." Margarete Ramberger findet es zwar auch super, dass es jetzt mehr Parkplätze gibt. Trotzdem ist sie gegen das Parkpickerl. "Wenn mein Sohn mich mit seinen zwei kleinen Kindern eine Woche besuchen möchte, kann er nicht dauernd einen neuen Schein ausfüllen. Wo soll er parken? Es gibt ja kein Parkhaus in der Nähe..."

Die Sanierungsfirma San-Care gab an, aufgrund des Parkpickerl nach Niederösterreich abzusiedeln.

KURIER-Stadtgespräch

"Parkpickerl in Währing: Segen oder Fluch?"

Am 13. September findet um 18.30 Uhr ein Stadtgespräch zum Thema Parkpickerl statt.

Am Podium: Bezirksvorsteherin Silvia Nossek (Grüne), Bernhard Wiesinger vom ÖAMTC.

Ort: Pfarrsaal, St. Gertrud; 18, Gentzgasse 22–24