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Chronik Wien
09/26/2012

Parkpickerl: Angst vor den Heimkehrern

Nach Ausweitung des Parkpickerls werden Hunderte Pickerl­flüchtlinge in die Innenstadtbezirke zurückkehren.

von Elias Natmessnig

Veronika Mickel ist verärgert: "In den Außenbezirken wird das Parkpickerl eingeführt, aber wir bekommen die Aus­wirkungen zu spüren", sagt die schwarze Bezirks­vorsteherin in der Josefstadt.

Die Auswirkungen, das sind Hunderte Parkpickerl­flüchtlinge, die nun in den kleinen Bezirk zurückkehren. 4500 Parkplätze gibt es im Achten, knapp 4200 Parkpickerln wurden bis dato für diese ausgestellt, um 250 mehr als vor einem Jahr. Mickel rechnet mit mehr als 500 Heimkehrern. Dazu kommen die neuen Park­pickerln für Unternehmer und Autos von Besuchern. "Das ist eine Milch­mädchenrechnung, dass sich das nicht ausgeht", sagt Mickel, "aber die Stadt lässt uns mit dem Problem allein."

Frotzelei

Es sei sogar rechtlich zulässig, mehr Park­pickerln auszustellen, als es Parkplätze gibt, sagt Mickel verwundert: "Da fühlen sich die Bürger ja gefrotzelt. Gleichzeitig werden Garagenprojekte auf die lange Bank geschoben."

Wiens Parkpickerlkoordinator Leopold Bubak will diesen Zahlen nicht recht glauben. "Diese Schätzungen liegen viel zu hoch", sagt Bubak. Er selbst rechne mit insgesamt 400 bis 500 Autobesitzern, die in ihren Heimatbezirk zurückkehren – verteilt auf die Bezirke fünf bis acht. Durch die im Frühjahr erhöhten Kurzparktarife seien die bezirksfremden Autos weniger geworden. "Wir haben hier einen leichten Rückgang. Das gleicht sich also aus."

Dass der vereinfachte Zugang zum Unternehmer­pickerl den Parkplatzdruck erhöhen werde, glaubt Bubak ebenso wenig. "Die Unternehmer, die jetzt ein Pickerl beantragen, haben sich bisher meist mit Kurzparkscheinen beholfen."

Die anderen betroffenen Bezirke sehen den Ansturm noch gelassen. Derzeit seien zwar Anstiege da, aber nicht signifikant, heißt es aus dem Bezirksamt für Mariahilf und Neubau. Dort vermutet man allerdings, dass die Bewohner erst in den folgenden Monaten reagieren.


Mariahilfs Bezirksvorsteherin Renate Kaufmann macht sich dennoch keine Sorgen: "Wir haben nur eine kleine Grenze zu einem Außenbezirk. Analysten prognostizieren weniger als 100 Parkpickerl-Flüchtlinge, die der Bezirk verkraften wird." Es gebe auch eine Entspannung der Stellplatzsituation durch das Anrainerparken.

Das Anrainerparken ist nun auch Mickels Hoffnung. Sie will das derzeitige Pilotprojekt auf den ganzen Bezirk ausweiten. "Damit wären wenigstens zehn Prozent der Parkplätze für Anrainer reserviert."

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