Chronik | Wien
05.10.2017

Pannen-Baustelle bleibt Sorgenkind

Kostenexplosion und Verzögerungen – warum beim Floridsdorfer Spitalsbau so viel schief geht.

Das hat der Wiener SPÖ gerade noch gefehlt: Wenige Tage vor der Nationalratswahl überschlagen sich die Hiobsbotschaften von der Baustelle Krankenhaus Nord in Floridsdorf. Wie der KURIER in der Vorwoche berichtete, liegen die Baukosten laut 2. Quartalsbericht des Krankenanstaltenverbunds (KAV) bereits bei 1,3 Milliarden Euro. Das sind um 200 Millionen Euro mehr als der KAV bis zuletzt kommuniziert hatte. Laut Presse, die sich auf einen Vermerk der begleitenden externen Kontrolle beruft, sollen sie sogar bei 1,5 Milliarden liegen. Zudem stünden wenige Monate vor dem geplanten Start der technischen Inbetriebnahme erst 20 der rund 80 nötigen Techniker zur Verfügung.

Gibt es zu wenige Techniker im neuen Spital?

Laut Branchen-Insidern ist es extrem schwer, auf dem freien Markt Experten für den hochkomplexen technischen Betrieb im neuen Spital zu finden, die bereit sind um die finanziellen Konditionen der Stadt Wien zu arbeiten. Personal aus bestehenden Häusern komme nur eingeschränkt in Frage, weil die die dortige Technologie wesentlich älter ist. Die Firmen, die die Haustechnik errichtet haben, würden zwar den Betrieb übernehmen – freilich mit wesentlich höheren Kosten. Laut KAV seien derzeit 22 technische Experten im Spital tätig, darunter alle Führungskräfte. Das Personal werde stetig aufgestockt, bis die Endstärke von 87 Experten erreicht werde. Zusätzlich will man fallweise die Betriebsführung mit externen Partnern durchführen. Zudem gebe es seitens der Errichterfirmen eine einjährige Betriebsunterstützung.

Wie hoch sind die Kosten nun tatsächlich?

Ursprünglich hätte das Spital 954 Millionen Euro kosten sollen. 2015 räumte der KAV einen Kostenanstieg um zehn Prozent, dann um 14 Prozent auf knapp über eine Milliarde ein. Schuld daranseien der Konkurs einer Fassadenfirma und falsche Statik-Berechnungen. Die Hälfte dieser Mehrkosten wolle man sich über Schadenersatzforderungen zurückholen, hieß es damals. Jetzt spricht KAV-Manager Thomas Balazs von bereits 200 Millionen Euro an Regressforderungen, die man von den im Quartalsbericht angeführten 1,3 Milliarden Euro (laut KAV exklusive Finanzierungskosten) abziehen müsse. Laut Experten ist es aber fraglich, ob man eine derart hohe Summe zurückbekommen könne. Vieles hätte man sich ersparen können, betonen Insider: Etwa durch eine Ersatzvornahme bei der Pleite der Fassadenfirma.

Wie sieht der weitere Zeitplan aus?

Der Grundstein für das Krankenhaus Nord wurde 2012 gelegt. Damals ging man von einer Inbetriebnahme 2015 aus. Nach mehreren Verzögerungen – laut Insidern wurde der Bauzeitenplan drei Mal geändert – soll diese jetzt erst Mitte 2018 erfolgen. Ende des Jahres soll der medizinische Betrieb starten. Laut KAV soll das nötige Personal vorhanden sein.

War es ein Fehler, das Spital ohne Generalunternehmer zu errichten?

Anstelle einen Generalunternehmer zu bestellen, hat der KAV die Bauleistungen getrennt nach Einzelgewerken ausgeschrieben. Dadurch erwartete man sich deutlich geringere Kosten. Ein Schuss, der offensichtlich nach hinten los ging. Ob man mit der anderen Variante günstiger gefahren wäre, ist aber umstritten. Ein Experte: "Letztlich kommt es – wie bei jeder Baustelle – darauf an, wie sehr sich der Bauherr um die Baustelle kümmert. Mit Balazs und Udo Janßen (der im März gefeuerte KAV-Chef, Anm.) hat sich die damalige Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely die beiden falschen Leute ausgesucht."