Projekt für kriminelle Kinder in Wien: 10 von 14 zurück in der Schule
Zwei Kinder sollen gemeinsam mit zwei Jugendlichen am Donnerstagabend einen 13-Jährigen in Meidling verfolgt, zu Boden gestoßen und durch einen Kniestoß verletzt haben. Die beiden Kinder waren ebenfalls gerade mal 13 Jahre alt.
Wegen Vorfällen wie diesen startete die Stadt Wien (Kinder- und Jugendhilfe MA 11) vor einem halben Jahr die „Orientierungshilfe“. Kinder unter 14 Jahren, die Straftaten begehen, werden dabei „engmaschig“ von speziell geschulten Sozialpädagogen des Vereins „Rettet das Kind“ unterstützt – und sollen so „zurück in die Spur“ gebracht werden, sagte Ingrid Pöschmann, Sprecherin der MA 11 am Donnerstag.
Von den 14 Kindern, die bisher betreut werden, gehen mittlerweile zehn wieder in die Schule. „Bei sieben Kindern haben wir deutliche Verbesserungen feststellen können, drei haben seit Beginn des Projekts gar keine Straftaten mehr gesetzt“, sagte Christian Reiner, Geschäftsführer von „Rettet das Kind“.
"Vier Burschen schwer zu knacken"
Vier Burschen seien „schwer zu knacken“. Wenn sie in Betreuung sind, funktioniere alles gut; schwieriger werde es, wenn sie in ihr normales Umfeld zurückkehren, führte Reiner aus.
Kriminelle Milieus
Die Normalität dieser Kinder sei häufig von suchtkranken oder gewalttätigen Eltern geprägt. „Wir sprechen hier nicht von Kindern, die ein bisschen vernachlässigt wurden, sondern von schwer kriminellem Milieu“, betonte Reiner.
Bei der „Orientierungshilfe“ gehe es darum, den Kindern Stabilität und Vertrauen zu vermitteln. „Die Sozialarbeiter unterstützen die Kinder auch dann, wenn diese weiterhin Straftaten begehen“, so Reiner.
61 junge Intensivtäter in Wien
In Wien gibt es derzeit 61 Intensivtäter unter 14 Jahren. Eine besonders auffällige Gruppe von 18 Kindern begeht mehr als 15 Delikte pro Monat – für sie wurde das Programm speziell konzipiert. Begehen die Kinder im Schnitt fünf Delikte pro Monat und eines davon wiegt schwer, dann sind die Voraussetzungen für die „Orientierungshilfe“ erfüllt.
Bei den Straftaten geht es um Körperverletzungen, Raub, Vandalismus und Einbrüche, vor allem in Autos. Ein zentraler Bestandteil des Programms ist deshalb auch die enge Abstimmung mit der Polizei, ergänzte Pöschmann.
Über eine gemeinsame Steuerungsgruppe werden auffällige Kinder früh identifiziert und schnell betreut. Straftaten werden an die MA11 gemeldet, damit sofort reagiert werden kann: „Wir erfahren von Vorfällen nicht erst Tage später, sondern unmittelbar.“
500.000 Euro für Projekt
Die Stadt investiert pro Jahr 500.000 Euro in das Projekt. Wie lange Kinder von den Sozialarbeitern unterstützt werden müssen, werde sich erst zeigen. Ein Zeitraum von einem Jahr sei dafür aber wohl jedenfalls zu veranschlagen, hieß es.
Offen bliebt auch die Frage, ob es künftig mehr als 14 Plätze geben wird. „Das wird je nach Bedarf entschieden“, sagte Vizebürgermeisterin Bettina Emmerling (Neos). In der Zwischenzeit würden auch die Vorbereitungen für die geschlossene Einrichtung für junge Intensivtäter laufen. Ein Konzept dazu werde im April präsentiert.
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