WM-Fieber: Wien zählt die Stunden bis zum Anpfiff
Österreich Fans sitzen bereits am Vormittag im Salettl.
Von Frederike Reisiger
In ein paar Stunden ist es so weit: Österreich trifft bei der Fußball-WM auf den amtierenden Weltmeister Argentinien. In den Öffis, auf der Straße und in den Gastgärten zahlreicher Lokale blitzen rot-weiß-rote Trikots aus der Menge. Die Bundeshauptstadt wird zu einer regelrechten Fanmeile für das ÖFB-Team in den USA.
Nach dem 3:1 am vergangenen Mittwoch gegen Jordanien sind die Hoffnungen der Fußballfans groß.
Einstimmung
Aus den Handys von Nico und Xavier dröhnen bereits die ersten Fußballhymnen, als sie der KURIER in der Mittagszeit vor der Oper trifft. „I’m from Austria“ und Paul Pizzeras WM-Song „Stripes and Stars“ gehören für die beiden zur Vorbereitung auf das Public Viewing dazu. Nach der Berufsschule wollen sie sich mit Freunden treffen und das Team anfeuern.
Die Berufsschüler Clemens (21), Nico (20), Xavier (27) und Julian (20) stimmten sich in ihrer Mittagspause bereits auf das Spiel ein.
Erst die Arbeit dann das WM-Vergnügen
Für Leonard begann der Tag nicht mit Fußball, sondern mit zwei Prüfungen. An Österreich vs. Argentinien denkt er trotzdem schon, wie er sagt. Und er hat Vertrauen in die Mannschaft: "Ich glaube, Österreich gewinnt 7:1". Nach Unterrichtsschluss trifft er seine Freunde dann am Donaukanal; mit „ein, zwei Bier“ wollen sie auf die bestandenen Prüfungen und die österreichische Nationalmannschaft anstoßen.
Der 20-jährige Leonard tippt 7:1 für Österreich.
Lokale warten auf den Anpfiff
An den Public-Viewing-Standorten der Stadt laufen die Vorbereitungen bereits auf Hochtouren. Tische werden gerückt, Bildschirme aufgebaut und letzte Vorbereitungen getroffen. Im Restaurant Erich, das gemeinsam mit dem Café Ulrich ein Public Viewing im 7. Bezirk veranstaltet, rechnet man mit mehr als 500 Gästen.
Wenige Bezirke weiter wird ebenfalls schon für den Fußballabend aufgerüstet. Im Restaurant Erzherzogtum am Naschmarkt sind die Tische bereits am Vormittag gedeckt. „Jetzt warten wir nur noch auf die Gäste“, sagt eine Kellnerin.
Seit 10 Uhr werden Plätze reserviert
Im Salettl im Alten AKH kündigt schon Stunden vor dem Anpfiff alles den Fußballabend an. Österreich-Flaggen hängen zwischen den Tischen, rot-weiße Servietten liegen bereit und der große Fernseher wartet auf seinen Einsatz.
Schon um 10 Uhr reservierten die ersten Fans ihre Plätze für den Abend. Die 25-jährige Studentin Anna kam erst einige Stunden später, gegen 13 Uhr, dazu. Bis zum Anpfiff muss sie sich die Zeit allerdings noch alleine vertreiben. „Meine Freunde kommen wahrscheinlich erst gegen 18 Uhr“, erzählt sie.
Dass sie überhaupt so früh da sein kann, verdankt sie einem Kollegen: „Mein Arbeitskollege hat meine Nachmittagsschicht übernommen. Unser Deal: Er übernimmt meine Schicht und bekommt einen Platz am Tisch.“
Um 16 Uhr wird es schon voller. Viele sitzen auf den Bierbänken und arbeiten.
Joshi trägt sein Trikot schon am Vormittag.
Popcorn, Nachos und Abseits
Für den 20-jährigen Joshi geht es zum Fußballschauen nicht in ein Lokal oder einen Gastgarten, sondern ins Kino. Gemeinsam mit Freunden will er dort das Spiel verfolgen. „Im Kino habe ich noch nie Fußball geschaut. Ich bin gespannt, wie die Atmosphäre in so einer ungewöhnlichen Umgebung sein wird“, sagt er. Einen klaren Vorteil hat seine Wahl jedenfalls: Bei den angekündigten 30 Grad dürfte das Schwitzen ausbleiben. Sein Tipp für heute: Österreich wird Argentinien mit 2 zu 1 schlagen.
Internationale Unterstützung
Nicht nur Österreicher fiebern dem Spiel entgegen. „We would love to see Austria win“, erzählt der 20-jährige Abhra.
Gemeinsam mit Freunden ist er aus Prag angereist, um die Partie bei einem der knapp 200 Public-Viewing-Standorte in Wien zu verfolgen. Sein Tipp: ebenfalls ein 2:1-Sieg für Österreich.
Conny und Andreas fiebern in ihrem Urlaub mit.
Unterstützung kommt auch aus Deutschland. Die Touristen Andreas und Conny wollen die Nationalmannschaft am Abend von ihrem Hotel aus anfeuern. „Ich wünsche mir, dass Konrad Laimer trifft“, sagt der 64-jährige Andreas.
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