Ein Bild aus besseren Tagen: Die meisten Reisebusse sind derzeit eingemottet.

© Kurier/David Niedermayer

Chronik Wien
04/05/2020

Öffis in der Krise: Das Ende der Heizdeckenfahrt

Keine Tagesreisen, keine Schüler, kaum Linienverkehr: Die Branche leidet massiv unter der Corona-Krise.

von Christoph Schwarz

Bis vor wenigen Wochen gehörten die Reisebusse – und mit ihnen die vielen (Tages-)Touristen – vor allem in den Wiener Innenbezirken zum Stadtbild. Mit der Corona-Krise ist der Tourismus eingebrochen. Und die Geschäftigkeit der Innenstadt ist einer Ruhe gewichen, die für viele Branchen existenzbedrohend ist.

Besonders hart getroffen hat es Wiens Busunternehmer, die derzeit vor Umsatzrückgängen von bis zu 100 Prozent stehen. Ihre Anatomie macht sie für die Krise besonders anfällig. Wie nachhaltig Corona die lokale Wirtschaft trifft, lässt sich an ihnen fast exemplarisch erzählen.

So hätte der Zeitpunkt nicht schlechter sein können: Die Branche hat gerade erst die „tote Saison“ hinter sich gebracht, wie Wilhelm Böhm, Obmann der Berufsgruppe bei der Wiener Wirtschaftskammer, erzählt. Nach dem langen Winter wäre das Geschäft im März wieder angelaufen.

Wäre. Denn stattdessen wurden die teils mehr als 400.000 Euro teuren Busse in den Garagen „eingemottet“. Die Branche ist klein strukturiert, vor allem Familienunternehmen trifft es hart.

Mehrere Säulen

Das vielleicht größte Problem: Das Geschäft der Busunternehmer ruht auf mehreren Säulen. Und alle sind fast zeitgleich weggebrochen, manche davon auch auf lange Sicht. „Die Auftragsbücher sind innerhalb weniger Tage bis in den Sommer geleert worden“, sagt Böhm. Neue Bestellungen? Die gibt es nicht.

Seit der Öffi-Verkehr im ganzen Land auf Minimalbetrieb läuft, werden die Firmen dort nicht mehr gebraucht – bislang waren sie im Linienverkehr oft als Subunternehmer tätig. In normalen Zeiten kann der Betrieb ohne sie kaum aufrecht erhalten werden. Seit die Schulen geschlossen sind, wurden alle Schulfahrten storniert. Auch sonst gibt es derzeit niemanden, der Busse anmietet.

Besonders schmerzhaft sind die Ausfälle im Tourismus: Die Hotels sind geschlossen, Kongresse abgesagt. „Wegen der langen Planungsphase werden viele davon dieses Jahr auch nicht mehr nachgeholt“, sagt Böhm. Dass viele Busunternehmen als Reisebüros fungieren, trifft sie nun mehrfach. Die Kataloge für die Saison sind gelayoutet und gedruckt – ihr Inhalt ist obsolet.

Schwierige Zielgruppe

Wer bereits eine Busreise gebucht hat, hat alle Zahlungen zurückerhalten. So will es das Pauschalreisegesetz. Die Busunternehmer hingegen blieben auf den Anzahlungen sitzen, die sie bei den Hotels und anderen Veranstaltern geleistet haben, kritisiert Böhm. Kopfzerbrechen bereitet der Branche gerade jetzt die eigene Zielgruppe: Die Hauptkunden sind – auch abseits der sprichwörtlichen Heizdeckenfahrt – ältere Menschen. „Bei ihnen ist die Verunsicherung wegen des Virus besonders groß“, sagt Böhm. Bis sich der Markt erholt, wird es – auch wenn die Restriktionen enden – lange dauern. Böhm fürchtet nun um die Liquidität der Unternehmer: „Das Kurzarbeitsmodell ist nur zum Teil anwendbar, da die Dauer der Krise in unserer Branche am längsten sein wird.“

Transport und Verkehr

Rückgänge in den Öffis  
Seit die strengen Ausgangsbeschränkungen der Regierung gelten, ist der Verkehr in der Stadt weitgehend zur Ruhe gekommen. Die Wiener Linien verzeichnen  Rückgänge von bis zu
80 Prozent, vermeldete das Unternehmen diese Woche. Die Öffis sind daher im Samstags- oder Wochenendbetrieb unterwegs. Die Wiener U-Bahnen kommen derzeit nicht alle drei, sondern alle fünf Minuten. 

Kein Geschäft für Taxis
Die Taxis leidet besonders unter den Beschränkungen: Branchenvertreter sprechen von Rückgängen von bis zu 100 Prozent. Abhilfe soll ein 50-Euro-Taxigutschein der Stadt Wien schaffen, den alle Wienerinnen und Wiener beantragen können, die älter als 65 Jahre sind. Das wären 300.000 potenzielle Kunden. Um den Gutschein ist zuletzt ein Politstreit entbrannt: Die Bundesregierung nennt ihn „fahrlässig“.

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