Wie obdachlose Menschen durch die Hitzewelle kommen
Vergangene Woche wurde in Österreich gleich zweimal der Hitzerekord seit Beginn der Messaufzeichnungen gebrochen. Rund 41 Grad stellen für die meisten Menschen eine enorme Belastung dar. Manchen Bevölkerungsgruppen setzt es aber noch mehr zu als anderen – zum Beispiel obdachlosen Menschen.
Es fehlt nicht nur an kühlen Rückzugsorten, auch ausreichend Wasser, Schattenplätze und medizinische Versorgung sind nicht selbstverständlich. „Wir versuchen, die Leute zu beraten, was bei großer Hitze zu tun ist“, erklärt Lisa Steiner. Sie ist die Leiterin der Abteilung Pflege und Sozialarbeit im Neunerhaus Gesundheitszentrum in Margareten.
Gesundheit schlechter
Bei der Beratung geht es neben ausreichend Flüssigkeit trinken und Sonnenschutz auch um ärztliche Aufklärung. „Natürlich verschlechtern sich sehr viele Erkrankungen bei Hitze“, sagt der ärztliche Leiter des Gesundheitszentrums, Stephan Leick. „Neurologische Erkrankungen, aber auch Kreislauferkrankungen verschlechtern sich bei hohen Temperaturen.“ Von solchen Erkrankungen sind viele Menschen in Wien betroffen. Laut der Berufsrettung Wien steigen bei solch hohen Temperaturen wie vergangene Woche die Einsätze um rund zehn Prozent. „Am häufigsten erleben wir Kreislaufprobleme, Hitzekollaps oder Dehydration“, so die Berufsrettung.
Um Menschen, die auf der Straße leben, durch die heißen Tage zu helfen, hat die Caritas der Erzdiözese Wien mittlerweile 24 sogenannte Klima-Oasen in Pfarren eingerichtet. Dort gibt es Getränke, kleine Speisen, kühle Aufenthaltsräume sowie die Möglichkeit, sich auszuruhen. Im vergangenen Jahr wurde das Angebot laut Caritasdirektor Alexander Bodmann knapp 6.380 Mal genutzt.
Heuer rechnet die Caritas aufgrund der anhaltenden Hitzewellen mit einem Anstieg. „Es ist verständlich, dass Menschen bei der anhaltenden Hitze dieses Angebot aufsuchen“, sagt Bodmann. Bereits bei der ersten großen Hitzewelle Ende Juni wurden zusätzliche Not-Klimaoasen geöffnet. Bei der zweiten Welle vergangene Woche ebenfalls.
Sommerpaket ausbauen
Neben den pfarrlichen Oasen bietet die Caritas auch Hitzepakete für obdachlose Menschen an. Dieses beinhaltet: Isomatte, Sommerschlafsack, Sonnencreme, Trinkwasser und Kopfbedeckung. Mit 50 Euro kann online unter www.wirhelfen.shop ein Hitzepaket gespendet werden. Außerdem kann man beim Grufttelefon unter 01 587 87 54 für einen Schlaf- und Aufenthaltsplätze für eine Person anrufen. Aus Sicht der Caritas reicht das allein jedoch nicht aus. Während die Stadt Wien im Winter mit dem Winterpaket rund 1.000 zusätzliche Notschlafplätze bereitstellt, stehen im Sommer rund 300 Plätze zur Verfügung.
Gerade angesichts zunehmender Hitzewellen sieht Bodmann hier Verbesserungsbedarf. „Wir würden uns wünschen, dass dieses Angebot auch im Sommer erweitert wird und es mehr Schlafplätze gibt“, sagt er. So könnten insbesondere ältere Menschen, chronisch kranke Menschen oder andere besonders gefährdete Personen besser vor den gesundheitlichen Folgen extremer Hitze geschützt werden.
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